Jónsson: Islands Inflation durch fehlenden Sozialpakt
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Jónsson: Islands Inflation durch fehlenden Sozialpakt

Ásgeir Jónsson, Gouverneur der Isländischen Zentralbank, analysiert Islands hartnäckige Inflation. Er sieht die Ursache in einem fehlenden sozialen Pakt, der Lohn-Preis-Spiralen begünstigt und die Geldpolitik erschwert.

Das isländische Lohn-Preis-Dilemma

Ásgeir Jónsson reflektiert seine Erfahrungen bei Lohnverhandlungen 1995, wo entgegen ökonomischer Lehrbücher gleiche Lohnerhöhungen für 70.000 Arbeiter festgelegt wurden, während Arbeitslosigkeit hoch und Reallöhne niedrig waren.

Er verweist auf Bjarni Bragi Jónssons Theorie von 1982, wonach Islands Inflation aus einem fehlenden sozialen Pakt resultiert.

Dieser Mangel führte zu einem „Hüpfspiel“ von Lohnforderungen und einer weit verbreiteten Indexierung von Löhnen, Krediten und Mieten.

Diese Indexierung, als „Felswand-Gleichgewicht“ beschrieben, kompensierte den fehlenden Pakt, führte aber zu einer perpetuierenden Inflation und Lohn-Preis-Spiralen, die Währungsabwertungen erzwangen.

Erst die Aufgabe der Lohnindexierung 1983 brachte einen Rückgang der Inflation.

Vom festen Kurs zum Inflationsziel – und zurück?

Das nationale Versöhnungsabkommen von 1990 senkte die Inflation drastisch.

Doch nach 1995 führten erneutes Lohnwachstum und Inflation zu einem Leistungsbilanzdefizit, das die Zentralbank 2001 zur Aufgabe des festen Wechselkurses zwang.

Ein Inflationsziel und die gesetzlich verankerte Unabhängigkeit der Zentralbank folgten.

Trotz dieser Reformen bleibt Islands Hauptproblem ungelöst: ein fehlender sozialer Pakt, der mit dem 2,5-Prozent-Inflationsziel vereinbar ist.

Im Gegensatz zu den nordischen Nachbarn scheiterten alle Versuche, eine dauerhafte soziale Vereinbarung zu etablieren, zuletzt 2024.

Ein Teufelskreis ohne Ende?

Jónssons Analyse zeigt, dass Islands Inflationsproblem tief in gesellschaftlichen Strukturen verwurzelt ist.

Ohne einen wirksamen sozialen Pakt, der Lohn-Preis-Spiralen verhindert, bleibt die Geldpolitik ein Sisyphus-Kampf.

Die Parallelen zu den 1970er-Jahren sind besorgniserregend und erfordern mehr als nur Zinsanpassungen.