Kanadas Geldpolitik: Angebotsseitige Schocks fordern Rahmen heraus
Sharon Kozicki, stellvertretende Gouverneurin der Bank of Canada, beleuchtet die Herausforderungen für Kanadas Geldpolitik. Angebotsseitige Schocks erzwingen schwierige Kompromisse im Inflationszielrahmen.
Erfolgreicher Rahmen vor neuen Realitäten
Die Bank of Canada (BoC) hält an ihrem flexiblen Inflationsziel von 2 Prozent fest, das sie gemeinsam mit der Regierung alle fünf Jahre erneuert.
Diesen Rahmen hat die BoC in den 25 Jahren vor der Pandemie erfolgreich umgesetzt, mit einer Inflation, die im Durchschnitt nahe 2 Prozent lag und über 80 Prozent der Zeit innerhalb des 1- bis 3-Prozent-Bandes verblieb.
Selbst als die Inflation Mitte 2022 über 8 Prozent erreichte, blieben die Inflationserwartungen der Kanadier fest verankert.
Die stellvertretende Gouverneurin Sharon Kozicki betonte, dass das 2-Prozent-Ziel weiterhin das beste für Kanada sei.
Jedoch haben sich die globalen Rahmenbedingungen drastisch verändert.
Angebotsseitige Entwicklungen wie globale Lieferkettenstörungen, der Aufstieg der künstlichen Intelligenz, die Neugestaltung des Welthandels, die Alterung der Bevölkerung und geopolitische Spannungen stellen die Geldpolitik vor neue, komplexe Herausforderungen.
Das Dilemma der Angebotsseite
Angebotsseitige Schocks, wie die Chipknappheit oder extreme Wetterereignisse, können Wirtschaftstätigkeit und Preise in entgegengesetzte Richtungen drücken.
Dies führt zu einem schwierigen Dilemma für die Geldpolitik: Eine Straffung zur Inflationsbekämpfung schwächt die Wirtschaft weiter, während eine Lockerung die Inflation vom Ziel wegbewegen könnte.
Kozicki verwies auf die zunehmende Häufigkeit von Situationen, in denen die Wirtschaft schwach ist, aber die Inflation über dem Ziel liegt.
Diese Entwicklungen reichen von temporären Schocks bis hin zu strukturellen Veränderungen, die das potenzielle Output-Niveau dauerhaft beeinflussen können, wie die Transformation durch KI und die Neuausrichtung des Welthandels.
Navigieren im Ungewissen
Kozickis Rede unterstreicht die wachsende Komplexität der Geldpolitik in einer sich wandelnden Welt.
Die traditionellen Instrumente sind weniger wirksam, wenn Angebotsengpässe und strukturelle Veränderungen die Inflation treiben, was eine präzisere Diagnose und flexible Reaktionen erfordert.
Die BoC steht vor der anspruchsvollen Aufgabe, ihre Glaubwürdigkeit zu wahren, während sie durch ein Terrain navigiert, das von Unsicherheit und schwierigen Kompromissen geprägt ist.