Núñez: Klimarisiken und nachhaltige Finanzen – Brückenbau für Resilienz
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Núñez: Klimarisiken und nachhaltige Finanzen – Brückenbau für Resilienz

Soledad Núñez, stellvertretende Gouverneurin der Banco de España, betont die Dringlichkeit der Klimakrise für Wirtschaft und Finanzsystem. Sie fordert eine verstärkte internationale Zusammenarbeit und den Ausbau nachhaltiger Finanzen.

Klimakrise als akute Bedrohung

Die Klimakrise ist keine ferne Gefahr mehr, sondern eine beschleunigende Kraft, die globale Wirtschafts- und Finanzbedingungen prägt, so Soledad Núñez.

Physische Risiken durch extreme Wetterereignisse nehmen scharf zu, während Übergangsrisiken durch sich schnell entwickelnde Regulierung, technologische Verschiebungen und steigende Transparenzerwartungen komplexer werden.

Núñez verwies auf die 'Tragödie des Horizonts' von Mark Carney, die sicherstellen soll, dass heutige Entscheidungen die Risiken und Chancen der kommenden Jahrzehnte widerspiegeln.

Extreme Wetterereignisse wie die DANA in Valencia im Oktober 2024 verursachen wachsende wirtschaftliche und finanzielle Kosten, die sich in höheren Kreditrisiken, gestiegenen Versicherungsverbindlichkeiten und fiskalischen Belastungen niederschlagen.

Die Banco de España kam zu dem Schluss, dass die DANA trotz schwerer lokaler Schäden einen nicht-systemischen Einfluss auf die Finanzstabilität hatte, dank des relativ geringen Anteils exponierter Kredite und mildernder Maßnahmen der Behörden.

Die Anerkennung dieser Heterogenität ist entscheidend für die Gestaltung zielgerichteter Anpassungspolitiken und Finanzstabilitätsrahmen.

Zentralbanken im Fokus der Anpassung

Für Zentralbanken und Aufsichtsbehörden besteht die fundamentale Herausforderung darin, die Resilienz des Finanzsystems gegenüber klimabedingten Schocks zu gewährleisten.

Dies erfordert ein tieferes Verständnis der Risikopropagation, ihrer Wechselwirkungen mit makroökonomischen Trends und ihrer Auswirkungen auf die Finanzstabilität.

Die Beschaffung zuverlässiger, vergleichbarer und granularer Klimadaten ist die Grundlage jeder rigorosen Klimabewertung.

Ohne diese Daten können weder politische Entscheidungsträger noch Aufsichtsbehörden die bevorstehenden Risiken vollständig antizipieren oder glaubwürdige, effektive Antworten entwickeln.

Die Agenda der Konferenz legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Anpassung an den Klimawandel, die entscheidend für den Schutz gefährdeter Gemeinschaften und die Stabilität der Wirtschafts- und Finanzsysteme ist.

Núñez betonte zudem die Notwendigkeit, Klimaüberlegungen in die Portfoliosteuerung der Zentralbanken zu integrieren, um mit gutem Beispiel voranzugehen.

Kollaboration als Schlüssel zum Erfolg

Núñez' Rede unterstreicht die wachsende Erkenntnis, dass Klimarisiken systemrelevant sind und nur durch gemeinsame Anstrengungen bewältigt werden können.

Die Betonung der Anpassungspolitik ist zwar wichtig, darf aber nicht von der notwendigen Dringlichkeit der Emissionsreduktion ablenken.

Ohne ambitionierte Mitigation bleibt Anpassung ein Kampf gegen Windmühlen, der die Kosten der Untätigkeit weiter in die Höhe treibt.