Maijoor warnt vor digitaler Abhängigkeit Europas im Finanzsektor
Steven Maijoor von der DNB warnt vor Europas digitaler Abhängigkeit im Finanzsektor. Die Konzentration auf wenige IT-Anbieter birgt systemische Risiken, denen mit 'vault lines' der Resilienz begegnet werden muss.
Konzentrationsrisiken als digitale Bruchlinien
Steven Maijoor, Vorstandsmitglied der De Nederlandsche Bank, warnt vor Europas digitaler Abhängigkeit im Finanzsektor.
Viele europäische Finanzinstitute vertrauen ihre IT-Infrastruktur einer begrenzten Zahl von IT-Dienstleistern an, insbesondere Cloud-Dienste werden von wenigen sogenannten 'Hyperscalern' dominiert.
Dies schafft Konzentrations- und systemische Risiken, da ein Ausfall oder eine staatliche Anweisung zur Dienstleistungseinstellung weitreichende Folgen hätte.
Maijoor betont, dass diese 'Bruchlinien' durch geopolitische Spannungen und hybride Kriegsführung verstärkt werden.
Kurzfristig sei die Vorbereitung auf solche Szenarien entscheidend, etwa durch die Entwicklung von Bedrohungsszenarien und die Stärkung der Kontrolle über kritische Daten durch eigene Verschlüsselung.
Von Bruchlinien zu Resilienz-Gewölben
Maijoor illustriert die Lage mit dem Bild von 'Bruchlinien' (fault lines) der Abhängigkeit und 'Gewölbelinien' (vault lines) der Resilienz.
Die digitale Abhängigkeit Europas sei eine solche Bruchlinie, die das Finanzsystem anfällig mache.
Der DNB/AFM-Bericht skizziert vier Zukunftsszenarien, wobei das vierte – ein Europa mit eigener digitaler Stärke und menschzentrierter Digitalisierung – das angestrebte Ziel ist.
Erste 'Gewölbelinien' entstehen bereits durch Gesetzgebung wie den Digital Operational Resilience Act (DORA), der im Januar 2025 in Kraft trat.
Doch DORA allein genüge nicht, um alle Schwachstellen, insbesondere geopolitische Risiken und Datenhoheit, zu adressieren.
Digitale Souveränität: Ein Marathon, kein Sprint
Maijoors Rede ist ein dringender Appell, Europas digitale Souveränität nicht als Option, sondern als Notwendigkeit zu begreifen.
Die Transformation erfordert gemeinsame Anstrengungen von Tech-Industrie, Finanzsektor und Behörden sowie erhebliche Investitionen in europäische IT-Fähigkeiten.
Ohne diesen strategischen Aufbau von 'Gewölbelinien' bleibt das Finanzsystem anfällig für externe Schocks und geopolitische Erpressung.