Maijoor: Liquiditätshilfe der Zentralbank – Lehren aus 1763
Steven Maijoor von der De Nederlandsche Bank beleuchtet die Rolle der Zentralbank als Lender of Last Resort. Er zieht Lehren aus der Finanzkrise von 1763 und betont die Bedeutung operativer Bereitschaft.
Amsterdam 1763: Die erste grenzüberschreitende Krise
Steven Maijoor, Vorstandsmitglied und Aufsichtsratsvorsitzender der De Nederlandsche Bank, entführt sein Publikum in die Finanzgeschichte Amsterdams.
Am 29. Juli 1763 kollabierte Leendert Pieter de Neufville, einer der führenden Bankiers seiner Zeit.
Dieser Bankrott löste europaweit Schockwellen aus, da De Neufville stark in spekulative Getreidegeschäfte verwickelt war, die nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges und dem Einbruch der Getreidepreise scheiterten.
Die Krise von 1763 war eine der ersten grenzüberschreitenden Finanzkrisen, deren Zutaten – Hebelwirkung, Fristentransformation, komplexe Produkte und Vernetzung – Maijoor als allzu vertraut beschreibt.
Es folgte ein klassischer Kreditengpass mit Bankenpleiten in Amsterdam und Hamburg, der Preußen in eine tiefe Rezession stürzte.
Das entscheidende fehlende Element war eine koordinierte öffentliche Intervention und ein effektiver Lender of Last Resort.
Maijoor stützt sich dabei auf einen Artikel von Hyun Song Shin und Isabel Schnabel aus dem Jahr 2003.
ELA-Bereitschaft: Kollateral als Schlüssel
Die Krise von 1763 verdeutlichte das Fehlen von Zentralbanken als Stabilisatoren und Liquiditätsgeber.
Notfallliquiditätshilfen (ELA) hätten damals geholfen, insbesondere grenzüberschreitend.
Maijoor betont jedoch, dass Werkzeuge allein nicht genügen.
Die Fälle der Silicon Valley Bank und Credit Suisse im Jahr 2023 zeigten operative Bereitschaftsprobleme.
Die SNB musste der Credit Suisse ELA auf Basis einer Staatsgarantie gewähren, da die Bank nicht rechtzeitig Sicherheiten stellen konnte.
Dies unterstreicht die Bedeutung der Kollateral-Vorpositionierung.
Eine zu strikte Anforderung könnte jedoch die Flexibilität beeinträchtigen und die Zentralbank vom Lender of Last Resort zum Lender of First Resort machen.
Nach den Turbulenzen von 2023 haben US-Banken freiwillig eine Billion Dollar als Sicherheiten vorpositioniert.
Die Frage bleibt, ob dies ausreicht.
Regelmäßige Nutzung ist kein Makel
Banken müssen die regulären Refinanzierungsoperationen der Zentralbanken ohne Stigma nutzen können.
Maijoor betont, dass die Nutzung dieser Instrumente ein integraler Bestandteil des täglichen Liquiditätsmanagements ist und kein Zeichen von Schwäche.
Die klare Kommunikation der Aufsichtsbehörden ist entscheidend, um diese Fehlwahrnehmung zu korrigieren und die Systemstabilität zu stärken.