AT1-Instrumente: Going-Concern-Rolle verfehlt
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AT1-Instrumente: Going-Concern-Rolle verfehlt

Zusätzliches Kernkapital (AT1) soll Verluste absorbieren, während Banken operativ sind. Eine neue BIS-Studie zeigt jedoch, dass AT1-Instrumente diese Going-Concern-Rolle in der Praxis verfehlen, da Auslöser zu niedrig sind und Anreize zur Rekapitalisierung fehlen.

Designfehler untergraben Wirkung

AT1-Instrumente sind als Going-Concern-Kapital konzipiert, um Verluste zu absorbieren, während eine Bank noch operativ ist.

In der Praxis wird ihre Wirksamkeit jedoch durch niedrige Auslöseschwellen, die diskretionäre Natur der Aktivierung und unzureichende Anreize zur Rekapitalisierung untergraben.

Stattdessen fungieren sie primär als Gone-Concern-Kapital, das erst am oder nahe dem Zeitpunkt des Scheiterns aktiviert wird.

Der Fall Credit Suisse im März 2023 demonstrierte dies deutlich: Die AT1-Instrumente wurden erst nach der Erklärung eines Nicht-Viabilitätsereignisses abgeschrieben und trugen zuvor nicht zur Sanierung bei.

Diese Lücke zwischen Design und Funktion schafft Unsicherheit, was aus aufsichtsrechtlicher Sicht nicht tragbar ist.

Auslöser zu spät, Wirkung zu gering

Die Basel-Regulierung sieht für AT1-Instrumente Auslöseschwellen von mindestens 5,125 Prozent (oft 7 Prozent) des CET1-Verhältnisses vor.

Eine neue BIS-Analyse kritisiert diese Schwellen als zu niedrig für eine effektive Going-Concern-Verlustabsorption.

Globale systemrelevante Banken (G-SIBs) haben oft CET1-Anforderungen von über 10 Prozent.

Fällt das CET1-Verhältnis einer Bank auf die Auslöseschwelle, sind bereits erhebliche Puffer aufgebraucht, und der Markt hat die Bank neu bewertet.

Eine Rekapitalisierung ist dann extrem schwierig.

Der Fall Credit Suisse unterstrich dies: Der Auslöser wurde nie aktiviert; AT1 trug erst am Scheitern zur Verlustabsorption bei.

Ein so später Auslöser funktioniert eher als Gone-Concern- denn als Going-Concern-Kapital.

Reform ist unumgänglich

Die Studie legt offen, dass AT1-Instrumente in ihrer aktuellen Form ihre primäre Funktion als Going-Concern-Kapital verfehlen.

Um die Stabilität des Bankensektors zu gewährleisten, ist eine grundlegende Reform des AT1-Designs unerlässlich.

Andernfalls müssen politische Entscheidungsträger die vollständige Abschaffung dieser Instrumente als regulatorisches Kapital in Betracht ziehen.