Studie: Nachfrage- und Finanzschocks erhöhen Abwärtsrisiken für BIP-Wachstum
Eine neue EZB-Studie zeigt, dass Nachfrage- und Finanzschocks das erwartete BIP-Wachstum im Euroraum reduzieren und gleichzeitig dessen Volatilität erhöhen. Dies führt zu einer negativ verzerrten Verteilung zukünftigen Wachstums. Für die Inflation treiben Angebotsschocks die Aufwärtsrisiken.
Strukturelle Kräfte hinter den Wachstumsrisiken
Die Studie untersucht den Einfluss struktureller Schocks auf die gemeinsame Verteilung von zukünftigem realem BIP-Wachstum und Inflation im Euroraum.
Mittels eines VAR-Modells für die bedingten Mittelwerte makroökonomischer und finanzieller Indikatoren sowie anschließender Quantilsregressionen auf die VAR-Residuen wird die zeitlich variierende Varianz geschätzt.
Die Ergebnisse zeigen, dass Nachfrage- und Finanzschocks das erwartete BIP-Wachstum reduzieren und gleichzeitig dessen bedingte Varianz erhöhen.
Diese Wechselwirkung zwischen Mittelwert und Volatilität führt zu einer negativ verzerrten Verteilung des zukünftigen Wachstums, was erhebliche zeitliche Schwankungen im Abwärtsrisiko für das BIP-Wachstum im Euroraum verursacht.
Dieser Effekt ist besonders ausgeprägt in Zeiten erhöhter Marktanspannung.
Im Gegensatz dazu führen Angebotsschocks zu weitgehend symmetrischen Bewegungen in den Wachstumsquantilen, ohne die gleiche Mittelwert-Volatilitäts-Interaktion zu erzeugen.
Inflation: Aufwärtsrisiken durch Angebotsschocks
Für die Inflation zeigt die Analyse ein anderes Bild: Angebotsschocks treiben eine positive Mittelwert-Volatilitäts-Kovariation an, bei der eine höhere Inflation mit erhöhter Unsicherheit verbunden ist.
Dies führt zu einer signifikanten zeitlichen Variation im Aufwärtsrisiko der Inflation, da die obere Verteilungshälfte volatiler wird als die untere.
Die Forscher betonen, dass ihr Rahmen einen wesentlichen Beitrag leistet, indem er die Analyse gemeinsamer Endrisiken für BIP-Wachstum und Inflation formalisiert.
Dieser Ansatz ermöglicht die Identifizierung modellkonsistenter struktureller Schocks, die diese Risiken antreiben, und liefert politischen Entscheidungsträgern kritische Einblicke für ein effektives Management dieser Risiken.
Die Arbeit knüpft an die 'Growth-at-Risk'-Literatur an, die sich auf die Modellierung von Risiken durch die Schätzung konzentriert, wie aktuelle Wirtschafts- und Finanzvariablen die gesamte Verteilung zukünftiger makroökonomischer Ergebnisse beeinflussen.
Einblick für die Geldpolitik
Diese Forschung liefert wichtige Erkenntnisse für Zentralbanken, die Risiken für die Wirtschaftsaussichten überwachen.
Die Unterscheidung zwischen Nachfrage-, Finanz- und Angebotsschocks ist entscheidend für die Kalibrierung geldpolitischer Reaktionen.
Sie zeigt, dass die bloße Betrachtung von Mittelwerten unzureichend ist, um die Komplexität der Risikolandschaft zu erfassen.
Für die Praxis bedeutet dies eine präzisere Risikobewertung und potenziell gezieltere Instrumente zur Stabilisierung von Wachstum und Preisen.