Bankkredit-Kanal im Euroraum: Geldpolitik wirkt synchron, aber heterogen
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Bankkredit-Kanal im Euroraum: Geldpolitik wirkt synchron, aber heterogen

Eine Studie der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und BIZ-Ökonomen zeigt, dass die Transmission der Geldpolitik auf Bankkredite im Euroraum synchron, aber in ihrer Stärke heterogen ist. Spitzenwirkungen treten konsistent nach 12 bis 18 Monaten auf, die Effekte sind jedoch asymmetrisch.

Timing einheitlich, Stärke variabel

Eine neue Studie von Robert Ferstl und Bernhard Graf (Oesterreichische Nationalbank, OeNB) untersucht die Transmission der Geldpolitik auf die Bankkreditvergabe im Euroraum.

Die Analyse zeigt, dass die Spitzenwirkungen geldpolitischer Maßnahmen konsistent innerhalb von 12 bis 18 Monaten eintreten.

Die Stärke dieser Effekte variiert jedoch erheblich zwischen den Ländern.

Insbesondere sind die Auswirkungen einer expansiven Geldpolitik größer als die einer restriktiven.

Diese Ergebnisse, die über die letzten Jahre stabil geblieben sind, unterstreichen die Notwendigkeit, länderspezifische Faktoren bei der Beurteilung der geldpolitischen Wirksamkeit zu berücksichtigen.

Die Forscher verwendeten instrumentelle Variablen und lokale Projektionen, um die dynamischen Effekte auf das Kreditwachstum für nicht-finanzielle Unternehmen zu ermitteln.

Die Robustheit der Ergebnisse wurde auch während der Pandemie und über verschiedene Phasen der geldpolitischen Normalisierung bis Ende 2024 geprüft.

Forschung im ChaMP-Netzwerk

Die Studie ist Teil des Netzwerks 'Challenges for Monetary Policy Transmission in a Changing World Network' (ChaMP), das Ökonomen der Europäischen Zentralbank (EZB) und nationaler Zentralbanken (NZBen) des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) zusammenbringt.

ChaMP zielt darauf ab, das Wissen über geldpolitische Transmissionskanäle im Euroraum angesichts beispielloser Schocks, struktureller Veränderungen und der Erweiterung des geldpolitischen Instrumentariums in den letzten anderthalb Jahrzehnten sowie der jüngsten Inflationswelle neu zu bewerten.

Die Ergebnisse dieser Arbeit liefern wichtige Erkenntnisse für politische Entscheidungsträger, um die Heterogenität der geldpolitischen Transmission im Euroraum besser zu quantifizieren und anzupassen.

Einheitliche Politik, heterogene Wirkung

Die Erkenntnisse unterstreichen ein zentrales Dilemma der EZB: Eine einheitliche Geldpolitik trifft auf eine heterogene Wirtschaftslandschaft.

Die asymmetrischen Effekte bedeuten, dass expansive Maßnahmen stärker wirken als restriktive, was die Kalibrierung erschwert.

Für die Praxis bedeutet dies, dass die EZB bei der Kommunikation und der Bewertung ihrer Maßnahmen die länderspezifischen Unterschiede stärker berücksichtigen muss.