Studie: Elektronischer Handel senkt Bid-Ask-Spreads, nicht Yield-Spreads
Eine neue Studie der Federal Reserve Bank of Philadelphia analysiert die Entwicklung des US-Unternehmensanleihemarktes. Sie zeigt, dass elektronischer Handel die Kapitalkosten senkte, diese Gewinne jedoch durch gestiegene Bilanzkosten und veränderte Liquiditätsnachfrage fast vollständig aufgehoben wurden.
Drei Kräfte formen den Anleihemarkt
Der US-Unternehmensanleihemarkt, die primäre Quelle langfristiger Finanzierung für große US-Unternehmen, hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark gewandelt.
Nach der globalen Finanzkrise erhöhten Regulierungen die Bilanzkosten für Händler, was deren Bereitschaft zur Liquiditätsbereitstellung minderte.
Gleichzeitig verlagerte sich ein erheblicher Teil des Handelsvolumens von traditionellen 'Voice-basierten' Transaktionen auf elektronische Handelsplattformen, die Anlegern den Kontakt zu mehreren Händlern gleichzeitig ermöglichen und den Wettbewerb fördern.
Drittens wurden traditionelle Anleihebesitzer wie Lebensversicherungen und Pensionsfonds zunehmend durch Bond-Mutual-Funds und ETFs ersetzt, die deutlich andere Handelsbedürfnisse haben.
Die Studie entwickelt ein theoretisches Modell eines Händler-intermediierten OTC-Marktes, um diese drei Veränderungen und ihre quantitativen Auswirkungen auf Marktergebnisse einheitlich zu analysieren.
Die Analyse legt nahe, dass die durch elektronischen Handel erzielten Gewinne bei der Kapitalkostenreduzierung fast vollständig durch die kombinierten Effekte gestiegener Bilanzkosten und veränderter Liquiditätsnachfrage wieder aufgehoben wurden.
Spreads reagieren nicht im Gleichschritt
Die Studie beleuchtet die unterschiedliche Reaktion von Bid-Ask-Spreads und Liquiditäts-Yield-Spreads auf Marktveränderungen.
Elektronischer Handel senkte den Bid-Ask-Spread deutlich, während andere Strukturänderungen kaum Einfluss auf Transaktionskosten hatten.
Ein Anstieg der Händler-Bilanzkosten führt zu einem erheblichen Anstieg des Yield-Spreads, beeinflusst aber Bid-Ask-Spreads kaum.
Ähnlich verhält es sich bei häufigeren Handelsbedürfnissen der Kunden: Der Liquiditäts-Yield-Spread steigt, Bid-Ask-Spreads bleiben stabil.
Nur die Zunahme des elektronischen Handels reduziert beide Spreads signifikant.
Im Gesamteffekt heben sich die Auswirkungen auf den Liquiditäts-Yield-Spread weitgehend auf, der Rückgang des Bid-Ask-Spreads bleibt jedoch wirtschaftlich bedeutsam.
Komplexes Zusammenspiel
Das Modell zeigt, dass die Beziehung zwischen Transaktionskosten und Liquiditäts-Yield-Spreads komplex ist und nicht immer synchron verläuft.
Es verdeutlicht, dass die bloße Verfügbarkeit von Bilanzraum für Händler entscheidend ist, um Liquidität bereitzustellen.
Für Regulierungsbehörden bedeutet dies, dass die Auswirkungen von Maßnahmen auf den Anleihemarkt differenziert betrachtet werden müssen, um unbeabsichtigte Effekte zu vermeiden.