Stablecoins beeinflussen globales Finanzsystem
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Stablecoins beeinflussen globales Finanzsystem

Stablecoins könnten das internationale Währungs- und Finanzsystem stark beeinflussen, besonders in Schwellenländern. Eine neue BIZ-Studie zeigt: Sie verstärken zunächst die Dollar-Dominanz, bergen aber auch Risiken für die Währungshoheit.

Drei Szenarien für die digitale Währungswelt

Stablecoins könnten das internationale Währungs- und Finanzsystem grundlegend verändern, insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern (EMDEs).

Die BIZ-Studie von Aldasoro, Frost und Ito analysiert, wie diese digitalen Token die Funktionen internationaler Währungen beeinflussen.

Sie stellen fest, dass Stablecoins am ehesten die Rolle des privaten Sektors als Wertaufbewahrungsmittel und Tauschmittel betreffen, vor allem in Volkswirtschaften mit makroökonomischer Instabilität.

Da etwa 98 Prozent des Stablecoin-Wertes in US-Dollar denominiert sind, verstärken sie zunächst die bestehenden Währungshierarchien.

Die Autoren entwickeln drei Szenarien: Bei 'Nischenadoption' bleiben die Auswirkungen auf Krypto-Ökosysteme beschränkt.

'Digitale Dollarisierung' birgt akute Risiken für die Währungshoheit in EMDEs durch schnelle Währungssubstitution.

'Integration inländischer Stablecoins' könnte Effizienzgewinne nutzen und gleichzeitig die politische Autonomie bewahren, erfordert aber erhebliche Regulierungskapazitäten.

Die endgültige Entwicklung hängt von Adoptionsmustern, regulatorischen Reaktionen und dem Zusammenspiel mit anderen Formen digitalen Geldes ab.

Historische Parallelen und neue Risikokanäle

Stablecoins, privat ausgegebene digitale Token, ähneln in ihrer Funktion historischen Vorläufern wie privaten Banknoten oder Eurodollars.

Doch ihre Basis auf öffentlichen Blockchains verleiht ihnen einzigartige Eigenschaften: pseudonyme Peer-to-Peer-Übertragbarkeit, Programmierbarkeit und globale Verfügbarkeit.

Die BIZ-Studie zeigt, dass Stablecoins bereits eine digitale Währungssubstitution fördern, besonders in Regionen mit hoher Inflation.

Dies stellt Schwellenländer vor ein Dilemma: Stablecoins können Zahlungen verbilligen und Inklusion fördern.

Zugleich drohen sie, die Währungshoheit zu erodieren, Kapitalkontrollen zu erschweren und neue Finanzinstabilitäten zu schaffen, wenn Bürger bei Stress schnell in Dollar-Stablecoins flüchten.

Mehr Dollar, weniger Souveränität

Die BIZ-Studie liefert eine nüchterne Analyse der Stablecoin-Realität: Sie sind primär ein Vehikel für die Dollar-Dominanz, nicht für deren Erosion.

Besonders für Schwellenländer bedeutet dies eine akute Bedrohung der Währungshoheit, die nur durch massive regulatorische Anstrengungen abgewendet werden kann.

Die Effizienzgewinne stehen einem hohen Preis gegenüber, wenn die Politik nicht schnell und koordiniert handelt.