Stablecoins: Kreditkanal dämpft Wirtschaft, Fiskus stützt kurzfristig
Eine BIZ-Studie modelliert die makroökonomischen Effekte von Stablecoins. Langfristig überwiegt der kreditdämpfende Effekt den fiskalischen Vorteil, kurzfristig sind die Effekte positiv.
Zwei Kanäle mit gegensätzlicher Wirkung
Eine neue quantitative Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beleuchtet die makroökonomischen Auswirkungen von Stablecoins.
Das Modell, kalibriert auf US-Daten, identifiziert zwei Hauptkanäle mit gegensätzlichen Effekten auf die Wirtschaft.
Der 'Bankkreditkanal' wirkt kontraktionsfördernd: Eine erhöhte Nachfrage der Haushalte nach Stablecoins führt zu höheren Einlagenzinsen, steigenden Bankrefinanzierungskosten und einer reduzierten Kreditvergabe.
Dies dämpft Investitionen und die Wirtschaftsleistung.
Demgegenüber steht der 'Fiskalraumkanal': Stablecoin-Emittenten investieren in Staatsanleihen (Treasury Bills), was die Nachfrage nach diesen Papieren erhöht, die Staatsverschuldungskosten senkt und den fiskalischen Spielraum für Steuersenkungen oder höhere Ausgaben erweitert.
Im Basisszenario, bei einer Stablecoin-Adoption von 2 Billionen US-Dollar, prognostiziert das Modell langfristig eine leichte Reduktion der Wirtschaftsleistung um 0,03 Prozent, da der Bankkreditkanal den fiskalischen Vorteil überwiegt.
Kurzfristig sind die Effekte jedoch positiv, da der Fiskalraumkanal schneller wirkt.
Die Studie zeigt zudem eine Stärkung der geldpolitischen Transmission über den Bankkreditkanal.
Regulierung entscheidet über die Wirkung
Die Studie untersucht, wie Regulierungsansätze die makroökonomischen Effekte von Stablecoins beeinflussen.
Werden Emittenten verpflichtet, Reserven in Bankeinlagen zu halten, verstärkt sich der langfristige Output-Rückgang auf fast 0,07 Prozent.
Der Bankkreditkanal bleibt intakt, während der fiskalische Vorteil geschwächt wird.
Eine andere Dynamik entsteht, wenn Stablecoin-Emittenten unremunerierte Zentralbankreserven halten.
Hier fließen Seigniorage-Einnahmen dem öffentlichen Sektor zu, was den Fiskalraumkanal stärkt und die Wirtschaftsleistung langfristig um 0,02 Prozent steigern kann.
Dies unterstreicht die Bedeutung der Seigniorage-Allokation.
Trotz potenzieller Output-Dämpfung können Stablecoins durch die Erweiterung liquider Vermögenswerte für Haushalte einen positiven Wohlfahrtseffekt erzielen.
Komplexes Zusammenspiel erfordert präzise Steuerung
Die BIZ-Studie zeigt eindrücklich, dass die makroökonomischen Effekte von Stablecoins weit über einfache Substitutionseffekte hinausgehen.
Das komplexe Zusammenspiel von Kredit- und Fiskalraumkanal erfordert eine präzise regulatorische Steuerung, um unerwünschte Nebenwirkungen zu minimieren und die potenziellen Wohlfahrtsgewinne zu realisieren.
Insbesondere die Allokation der Seigniorage-Einnahmen und die Reservehaltung sind entscheidend für die gesamtwirtschaftliche Wirkung.
Quelle: The macroeconomics of stablecoins
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