Hohe Staatsschuld: Fiskalische Engpässe bremsen Zinsanhebungen
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Hohe Staatsschuld: Fiskalische Engpässe bremsen Zinsanhebungen

Eine neue Studie der BIZ warnt: Hohe Staatsschuld erhöht die fiskalischen Kosten der Inflationsbekämpfung drastisch. Dies kann die geldpolitische Reaktion dämpfen und einen inflationären Bias erzeugen.

Die fiskalische Bremse der Geldpolitik

Die Studie formalisiert einen Mechanismus, bei dem hohe Staatsschuld die fiskalischen Kosten der Inflationsbekämpfung stark ansteigen lässt, da Zinserhöhungen die Zinsausgaben der Regierung erhöhen.

Dies wird in einem nichtlinearen Neukeynesianischen Modell mit einer zustandsabhängigen fiskalischen Beschränkung der Geldpolitik abgebildet.

Hohe Schulden können die geldpolitische Reaktion auf Inflation dämpfen und einen inflationären Bias erzeugen, selbst wenn die Staatsschuld vollständig fiskalisch gedeckt bleibt.

Die Interaktion zwischen hoher Verschuldung und inflationären Kostenschocks erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die fiskalische Grenze bindend wird, was die Inflation verstärkt.

Die Zentralbank internalisiert diese Grenze und moderiert ihre Straffung, um politischen Gegenwind zu vermeiden.

Dies unterscheidet sich von der Fiskaltheorie des Preisniveaus, da die Inflation hier durch die Erwartung einer schwächeren Zentralbank-Reaktion entsteht.

Analogie zur Zinsuntergrenze

Die globale Zunahme der Staatsschulden verwischt die traditionellen Grenzen zwischen Geld- und Fiskalpolitik.

Zinserhöhungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Staatsausgaben, was den Druck auf die Geldpolitik verstärkt, die Zinsanhebungen zu begrenzen.

Ein Beispiel hierfür sind die wiederholten öffentlichen Forderungen von US-Präsident Donald Trump an Fed-Chef Jerome Powell, die Zinsen zu senken, um die Staatsverschuldungskosten zu reduzieren.

Diese fiskalische Beschränkung wirkt analog zur Zinsuntergrenze (ZLB), jedoch umgekehrt: Während die ZLB die Senkung von Zinsen begrenzt, beschränkt die fiskalische Grenze deren Anhebung in einem Umfeld hoher Schulden.

Beide sind zustandsabhängig und nichtlinear, erzeugen aber entgegengesetzte makroökonomische Verzerrungen.

Ein unbequemer Spagat für Zentralbanken

Die Studie beleuchtet eine zunehmend kritische Herausforderung für Zentralbanken: Die Notwendigkeit, Preisstabilität zu gewährleisten, während fiskalische Realitäten ihre Handlungsfähigkeit einschränken.

Dies zwingt sie in einen schwierigen Spagat zwischen Inflationsbekämpfung und der Vermeidung fiskalischer Instabilität.

Die Implikationen für die Unabhängigkeit der Geldpolitik sind weitreichend und erfordern eine Neubewertung der traditionellen Rollenverteilung.

Quelle: The perils of narrowing fiscal spaces

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