Arbeitsmarktmacht verstärkt Diskriminierung von Immigranten
Paradox: Je konzentrierter der Arbeitsmarkt, desto stärker die Diskriminierung von Immigranten. Eine Studie der BIS und der Federal Reserve Bank of Dallas zeigt, dass Marktmacht Diskriminierung nicht nur ermöglicht, sondern aktiv verstärkt.
Machtungleichgewicht am Arbeitsmarkt
Wirtschaftliche Theorien verbinden Arbeitgebermacht seit Langem mit Diskriminierung, doch selten wurde die spezifische Form der Macht betrachtet.
Die Studie unterscheidet zwischen Arbeitsmarkt- und Produktmarktmacht und isoliert deren Rolle bei der Aufrechterhaltung von Diskriminierung.
Durch die Analyse von Jobverlusten bei Massenentlassungen und Firmenschließungen als exogene Quelle der Jobsuche, kombiniert mit der genauen Zuordnung von einheimischen und immigrierten Arbeitnehmerpaaren mit identischen Jobs und Löhnen vor der Entlassung, identifizieren die Autoren den kausalen Effekt von Arbeitsmarktmacht auf diskriminierendes Verhalten.
Die Ergebnisse zeigen, dass Lohn- und Beschäftigungsdiskriminierung gegenüber Immigranten in konzentrierten Arbeitsmärkten verstärkt auftritt und in stark wettbewerbsorientierten Märkten weitgehend fehlt.
Produktmarktmacht hat keinen unabhängigen Effekt, was mit der Annahme übereinstimmt, dass Lohnsetzungsmacht für diskriminierende Ergebnisse notwendig ist.
Diese Erkenntnisse basieren auf verknüpften Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Daten aus Norwegen, die Jobsuchende mit gleicher Produktivität und identischen Arbeitsmarktsignalen, aber unterschiedlichem Migrationshintergrund analysieren.
Glaube oder Vorurteil?
Die Studie untersucht auch die Quellen der Diskriminierung und konzentriert sich auf glaubensbasierte und präferenzbasierte Mechanismen.
Die beobachteten Unterschiede bei Löhnen und Beschäftigung verblassen bei anhaltenden Interaktionen zwischen Arbeitgebern und Immigranten.
Dies deutet auf glaubensbasierte Diskriminierung und Lernprozesse bei Arbeitgebern hin.
Wenn Diskriminierung auf falschen Annahmen über die Produktivität beruht, können direkte Interaktionen diese korrigieren.
Im Gegensatz dazu würden präferenzbasierte Vorurteile (geschmacksbasierte Diskriminierung) wahrscheinlich über die Zeit bestehen bleiben.
Die Autoren betonen, dass Diskriminierung nicht statisch ist, sondern von Marktstrukturen und firmenspezifischen Dynamiken geprägt wird.
Dies hat weitreichende Implikationen für die Gestaltung von Wirtschaftstheorie und Politik, insbesondere im Hinblick auf die Stärkung der Arbeitskräftemobilität, Tarifverhandlungen oder Kartellrecht auf Arbeitsmärkten.
Ein Weckruf für die Politik
Diese Studie liefert den kausalen Beweis, dass Marktmacht am Arbeitsmarkt ein entscheidender Faktor für Diskriminierung ist – eine Erkenntnis mit weitreichenden Implikationen für die Wirtschaftspolitik.
Sie verschiebt den Fokus von der Produktmarkt- zur Arbeitsmarktregulierung, um Diskriminierung effektiv zu bekämpfen.
Die Betonung von Lernprozessen bei Arbeitgebern bietet zudem einen wichtigen Ansatzpunkt für gezielte Integrationsmaßnahmen.
Quelle: The Power to Discriminate
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