Macklem warnt vor globalen Ungleichgewichten und Finanzrisiken
Tiff Macklem, Gouverneur der Bank of Canada, warnt vor einer erneuten Zunahme globaler Ungleichgewichte. Diese könnten die Finanzstabilität gefährden und Handelsspannungen verstärken.
Ungleichgewichte: Mehr als nur Handel
Macklem betont, dass globale Ungleichgewichte nicht nur Handelsdefizite und -überschüsse umfassen, sondern tiefgreifend mit Kapitalflüssen und dem internationalen Finanzsystem verbunden sind.
Er hebt hervor, dass übermäßige Ungleichgewichte, die zu lange bestehen, zu Spannungen führen können, die sich über Handels- und Investitionsströme, Wechselkurse und Vermögenspreise auf Beschäftigung, Inflation und finanzielle Sicherheit auswirken.
China, so Macklem, verlasse sich stark auf Investitionen und Exporte, was zu Überkapazitäten und deflationären Kräften führe.
Die USA hingegen finanzierten ihre starken Konsumausgaben und großen Haushaltsdefizite durch massive Kapitalzuflüsse.
Europa weise im Vergleich zu seinen Ersparnissen nur bescheidene Investitionen auf, was ebenfalls zu Kapitalabflüssen führe.
Diese Dynamiken, so der Gouverneur, erzeugten nicht nur wirtschaftliche Verzerrungen, sondern könnten auch die Beziehungen zwischen Ländern belasten.
Er fordert, Ungleichgewichte durch die Linse der Kapitalflüsse zu betrachten und Risiken im System zu verstehen.
Zudem müsse eine Überdehnung des internationalen Währungs- und Finanzsystems vermieden werden, um künftige Krisen zu verhindern.
Lehren aus Goldstandard und Bretton Woods
Die Geschichte lehrt, dass ungelöste Ungleichgewichte die Stabilität des internationalen Finanzsystems untergraben können.
Macklem verweist auf den Goldstandard vor dem Ersten Weltkrieg, der zwar stabile Wechselkurse bot, aber bei Ungleichgewichten schmerzhafte Anpassungen über Löhne und Preise erzwang.
Auch das Bretton-Woods-System nach dem Zweiten Weltkrieg scheiterte letztlich an übermäßigen Ungleichgewichten und der Unwilligkeit, notwendige interne Anpassungen vorzunehmen.
Der Versuch, Kosten durch Zölle oder Abwertungen auf andere Länder abzuwälzen, habe sich als kontraproduktiv erwiesen und das globale Wachstum geschwächt.
Die Lektion sei klar: Wenn sich Druck im System aufbaut, sei eine automatische, positive Anpassung nicht garantiert.
Veränderungen kämen oft erst in Krisenmomenten, die jedoch kostspielig seien.
Eine proaktive Anpassung des Systems sei daher der bessere Weg.
Risiken im Schatten der Transparenz
Die erneute Zunahme globaler Ungleichgewichte trifft auf ein Finanzsystem, das schneller, komplexer und weniger transparent ist.
Neue, weniger regulierte Nichtbanken-Intermediäre spielen eine wachsende Rolle, was die Überwachung erschwert.
Dies erhöht das Risiko einer Fehlallokation von Kapital und plötzlicher Kapitalumkehr, deren Auswirkungen weit über einzelne Länder hinausgehen könnten.