Kanada belässt Leitzins bei 2,25 Prozent
BIS Speech Read in English

Kanada belässt Leitzins bei 2,25 Prozent

Die Kanadische Zentralbank (BoC) hat ihren Leitzins bei 2,25 Prozent belassen. Gouverneur Tiff Macklem begründete die Entscheidung mit der Notwendigkeit, zwischen schwacher Wirtschaft und steigender Inflation abzuwägen.

Dilemma zwischen Wachstum und Preisen

Die BoC hat ihren Leitzins bei 2,25 Prozent gehalten.

Diese Entscheidung erfolgte vor dem Hintergrund erhöhter globaler Unsicherheiten, insbesondere durch den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten, der zu höheren Energiepreisen und Störungen der Lieferketten führt.

Gleichzeitig belasten neue US-Zölle und die damit verbundene Handelsunsicherheit die globale Wirtschaft.

In Kanada selbst zeigte sich die Wirtschaft im ersten Quartal schwach, mit einem Rückgang des BIP um 0,1 Prozent, was unter den Erwartungen lag.

Trotz eines Anstiegs der Konsumausgaben um 1,4 Prozent gab es einen unerwarteten Rückgang der Staatsausgaben.

Auch die Wohnungsbauaktivität und die Unternehmensinvestitionen blieben schwach.

Die Arbeitslosenquote sank im Mai zwar auf 6,6 Prozent, doch die Beschäftigung blieb seit Jahresbeginn weitgehend unverändert.

Die VPI-Inflation stieg im April auf 2,8 Prozent, hauptsächlich bedingt durch höhere Energiepreise und den Wegfall des Effekts der kanadischen CO2-Steuer.

Die Kerninflation liegt jedoch weiterhin bei rund 2 Prozent, und es gibt bisher nur begrenzte Anzeichen für eine breite Weitergabe der höheren Energiepreise an andere Konsumgüter.

Ungewisse Aussichten erfordern Flexibilität

Der BoC-Gouverneursrat hat beschlossen, die kurzfristigen Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die Inflation zu ignorieren.

Sollten die Energiepreise jedoch dauerhaft hoch bleiben, werde man eine breite und anhaltende Inflation nicht zulassen.

Die Kombination aus wirtschaftlicher Schwäche und steigender Inflation stellt ein Dilemma für die Geldpolitik dar.

Die Beibehaltung des Leitzinses gleicht diese Risiken derzeit aus.

Die Unsicherheit ist jedoch ungewöhnlich hoch, und die Geldpolitik müsse 'agil' bleiben.

Macklem skizzierte zwei Szenarien: Eine Zinssenkung könnte bei neuen US-Handelsbeschränkungen nötig werden, während konsekutive Zinserhöhungen drohen, falls der Nahostkonflikt anhält und Energiepreise zu einer allgemeinen Inflation führen.

Strukturelle Veränderungen in der kanadischen Wirtschaft, wie sich wandelnde Handelsbeziehungen, die Einführung von KI und demografische Verschiebungen, erschweren die Einschätzung.

Die Zentralbank beobachtet diese Entwicklungen genau und ist bereit, bei Bedarf zu reagieren, um die Preisstabilität zu sichern.

Quelle: Tiff Macklem: Monetary Policy Decision

IN: