Haushalte zeitinkonsistent trotz individueller Konsistenz
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Haushalte zeitinkonsistent trotz individueller Konsistenz

Ein neues Modell zeigt: Mehrpersonenhaushalte sind trotz zeitkonsistenter Individuen oft zeitinkonsistent. Dies führt zu Unterersparnis und Überkonsum, selbst bei getrennten Konten.

Gemeinsame Kasse, geteilte Ineffizienz

Andrew Hertzberg von der Federal Reserve Bank of Philadelphia präsentiert ein Modell für Konsum und Ersparnisse in Mehrpersonenhaushalten.

Trotz standardmäßiger exponentieller Zeitpräferenzen der einzelnen Mitglieder erweist sich der Haushalt als zeitinkonsistent.

Die Mitglieder sparen zu wenig und überkonsumieren private Güter.

Diese Ineffizienz entsteht, weil gemeinsame Ersparnisse einem dynamischen Allmendeproblem unterliegen, bei dem jedes Mitglied seinen privaten Konsum auf Kosten zukünftiger gemeinsamer Ersparnisse erhöht.

Die Studie quantifiziert die Kosten dieser Zeitinkonsistenz als den Anteil des Gesamtvermögens, den der Haushalt bereit wäre zu zahlen, um einen vollständig verbindlichen Konsumpfad zu erreichen.

Diese Kosten steigen monoton mit dem Grad des Eigeninteresses der Haushaltsmitglieder.

Getrennte Konten, gleiche Falle

Selbst wenn Haushaltsmitglieder in separaten, unzugänglichen Konten sparen, bleibt die Zeitinkonsistenz bestehen.

Dies liegt an der fortbestehenden Altruismus und dem Konsum gemeinsamer öffentlicher Güter.

Bei ausreichenden Vermögensunterschieden kann es zu freiwilligen Transfers kommen, oder beide Mitglieder tragen zu einem öffentlichen Gut bei.

Die Antizipation solcher zukünftigen Möglichkeiten schafft dasselbe dynamische Allmendeproblem wie bei gemeinsamen Konten.

Jedes Mitglied erkennt, dass ein zusätzlicher Dollar persönlicher Ersparnis heute eine zukünftige Beisteuerung des anderen zum öffentlichen Gut oder eine zukünftige freiwillige Übertragung reduzieren könnte.

Die Studie zeigt auch, dass die marginale Konsumneigung des Haushalts bei getrennten Ersparnissen sowohl von der Vermögensverteilung als auch davon abhängt, welches Mitglied den zusätzlichen Dollar erhält.

Mehr als nur individuelle Schwäche

Diese Forschung liefert eine neue Perspektive auf das Sparverhalten von Haushalten, die über individuelle Zeitpräferenzen hinausgeht.

Sie erklärt, warum Haushalte trotz rationaler Individuen zu Unterersparnis neigen und untermauert die Notwendigkeit von Commitment-Technologien.

Für die Finanzplanung bedeutet dies, dass die Struktur des Vermögensbesitzes und die strategische Interaktion innerhalb des Haushalts entscheidend sind.