Välimäki: Geld der Zukunft braucht Vertrauen und Resilienz
Tuomas Välimäki von der Bank von Finnland betont, dass die Zukunft des Geldes nicht nur eine Technologie-, sondern eine institutionelle Frage ist. Er identifiziert Vertrauen, Resilienz und Erneuerung als zentrale Prioritäten für Zentralbanken.
Vertrauen als Fundament
Die Geschichte des Zentralbankwesens ist untrennbar mit dem Vertrauen in Geld verbunden.
Unabhängig von seiner Form – ob Metall, Papier oder digital – muss Geld seinen Wert behalten, weithin akzeptiert sein und von glaubwürdigen Institutionen gestützt werden.
Välimäki unterstreicht, dass Preisstabilität der grundlegendste Beitrag der Zentralbanken zum Vertrauen in Geld ist; ohne Werterhalt kann keine Zahlungsinnovation dies kompensieren.
Das monetäre System basiert auf einem zweistufigen Modell, bei dem Zentralbanken das ultimative Abwicklungsmedium bereitstellen, während Geschäftsbanken und andere regulierte Akteure die meisten Zahlungsdienste und Kredite anbieten.
Dieses Modell verbindet öffentliches Vertrauen mit privater Innovation und sichert die Einheitlichkeit des Geldes.
Obwohl Bargeld seltener genutzt wird, steigt sein Umlauf im Euroraum, was auf eine veränderte Funktion als Wertspeicher und Vertrauensanker hindeutet.
Die Debatte um den digitalen Euro ist daher entscheidend, um die Verfügbarkeit von Zentralbankgeld in der digitalen Wirtschaft zu gewährleisten und das monetäre System zu verankern.
Zahlungssysteme als kritische Infrastruktur
Resilienz ist die zweite Priorität.
Zahlungssysteme sind keine reinen Komfortdienste, sondern kritische Infrastrukturen.
In einer Welt geopolitischer Unsicherheit, Cyberrisiken und technologischer Abhängigkeit müssen Zahlungen unter normalen Bedingungen und in Stresssituationen funktionieren.
Für Finnland, eine hoch digitalisierte Wirtschaft, die stark auf Seekabel und nicht-europäische Zahlungslösungen angewiesen ist, ist dies eine Frage der gesellschaftlichen Resilienz.
Die Bank von Finnland betont die Notwendigkeit, einzelne Ausfallpunkte zu vermeiden, Fallback-Lösungen zu gewährleisten und Vielfalt bei den Zahlungswegen, Anbietern und Technologien zu erhalten.
Was in normalen Zeiten ineffizient erscheint, kann in einer Krise wertvolle Redundanz sein.
Europäische strategische Autonomie bedeutet hierbei nicht Isolation, sondern glaubwürdige europäische Fähigkeiten, internationale Zusammenarbeit und ausreichende Alternativen bei sich verschlechternden Bedingungen.
Die Zukunft des Geldes sollte nicht auf einer einzigen Lösung aufbauen, sondern ein vielschichtiges Ökosystem umfassen: Zentralbankgeld, Geschäftsbankengeld, Instant Payments, Kartenzahlungen, Bargeld und potenziell digitales Zentralbankgeld.
Innovation im starken Rahmen
Die Erneuerung des Geldsystems ist unerlässlich, doch Innovationen in Geld und Finanzen bergen systemische Risiken, wenn Kerninfrastrukturen versagen.
Zentralbanken müssen daher Prinzipien wie Einheitlichkeit, robuste Abwicklung und Datenschutz voranstellen, während sie Technologien wie KI verantwortungsvoll nutzen.
Die Zukunft des Geldes wird nicht allein von Technologie bestimmt, sondern von Technologie, Institutionen und öffentlichem Vertrauen geformt.
Zentralbanken bleiben unverzichtbar, um dieses Vertrauen zu wahren, auch wenn sich die Form des Geldes wandelt.