Arbeitslosenversicherung erhöht Löhne für alle Gruppen
BIS Paper Read in English

Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung erhöht Löhne für alle Gruppen

Eine Studie der Federal Reserve Bank of Cleveland zeigt, dass großzügigere Arbeitslosenversicherungsleistungen die Löhne von Neueinstellungen, Jobwechslern und kontinuierlich Beschäftigten erhöhen. Die Autoren finden ähnliche, leicht positive Elastizitäten über alle Arbeitnehmergruppen hinweg.

Lohnanstieg für alle Ar­beit­neh­mer­grup­pen

Die Ökonomen Kevin Rinz und David Wasser untersuchen die Auswirkungen von Änderungen in der Großzügigkeit der Arbeitslosenversicherung (AV) auf die Löhne von Neueinstellungen aus der Arbeitslosigkeit, Jobwechslern und kontinuierlich Beschäftigten.

Sie stellen fest, dass eine großzügigere AV die Löhne bescheiden erhöht, mit einer Elastizität von 0,13 über den gesamten Untersuchungszeitraum von 2005 bis 2024.

Vor der Pandemie (2005–2019) war die Elastizität mit 0,21 höher, während sie während und nach der Pandemie (2020–2024) auf 0,04 sank.

Diese Ergebnisse, die mit einem simulierten Instrumentenansatz unter Verwendung öffentlicher Daten der Current Population Survey (CPS) erzielt wurden, sind robust gegenüber alternativen Spezifikationen und Untergruppen.

Die Studie füllt eine Forschungslücke, indem sie sowohl direkte als auch Spillover-Effekte der AV auf die Löhne innerhalb eines kohärenten Rahmens untersucht und die Bedeutung breiterer Arbeitsmarktveränderungen hervorhebt.

Spillover-Effekte und Ar­beits­markt­dy­na­mik

Die Studie zeigt, dass Lohneffekte über verschiedene Arbeitnehmertypen hinweg ähnlich sind, was auf Spillover-Effekte oder breitere Arbeitsmarktveränderungen durch die AV hindeutet.

Die Löhne reagieren am stärksten am unteren Ende der Lohnverteilung auf Änderungen der AV-Großzügigkeit.

Eine großzügigere AV reduziert die Einstellung aus der Arbeitslosigkeit und Job-zu-Job-Wechsel, verringert aber auch den Austritt aus dem Arbeitsmarkt und erhöht die Einstellung von Neueinsteigern und Nichterwerbstätigen.

Auch ausgeschriebene Löhne steigen mit großzügigerer AV, wobei die Elastizität ähnlich den realisierten Löhnen ist, jedoch mit Verteilungsunterschieden.

Effekte auf Neueinsteiger weichen ab, da eine großzügigere AV hier die Einstellungsrate erhöht.

Mehr als nur ein Sicherheitsnetz

Diese Forschung verdeutlicht, dass die Arbeitslosenversicherung weit über ihre direkte Funktion als Einkommensersatz hinauswirkt.

Sie beeinflusst nicht nur die Verhandlungsmacht von Arbeitnehmern, sondern auch die Lohnfestsetzung durch Unternehmen und die gesamte Dynamik des Arbeitsmarktes.

Die Ergebnisse sind entscheidend für theoretische Modelle, die die Komplexität der AV-Wirkung auf Löhne und Arbeitsmarktübergänge besser abbilden müssen.