Madouros: Tokenisierte Finanzwelt braucht Gestaltung
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Madouros: Tokenisierte Finanzwelt braucht Gestaltung

Die Finanzwelt steht vor einer technologischen Neuausrichtung durch Tokenisierung. Vasileios Madouros, stellvertretender Gouverneur der irischen Zentralbank, skizziert den Ansatz seiner Institution, um diesen Übergang aktiv zu gestalten und Risiken zu managen.

Revolution durch geteilte Register

Die Tokenisierung und der Einsatz von Distributed-Ledger-Technologie (DLT) ermöglichen einen Paradigmenwechsel im Finanzwesen.

Statt komplexer, kostenintensiver Prozesse zur Abstimmung von Ledgern versprechen geteilte, programmierbare Register Echtzeit-Abwicklung, geringere Gegenparteirisiken und 24/7-Verfügbarkeit.

Dies kann Finanzdienstleistungen effizienter machen und neue Angebote wie Smart Contracts oder die Fraktionalisierung von Vermögenswerten ermöglichen.

Das Marktinteresse wächst rasant; eine Eurosystem-Umfrage zeigt, dass Tokenisierung innerhalb eines Jahrzehnts zum dominanten Ort für die Ausgabe, Abwicklung und den Handel von Vermögenswerten werden könnte.

Doch der Übergang ist eine systemweite Herausforderung, die Koordination und Interoperabilität erfordert, um Fragmentierung zu vermeiden.

Zudem ist die zukünftige Konfiguration des Finanzsystems noch ungewiss, insbesondere hinsichtlich der Entwicklung von Privatgeld und der Struktur der Kapitalmärkte.

Privatgeld, Märkte, Infrastruktur: Offene Fragen

Die Evolution von Privatgeld ist ein zentraler Aspekt der Transformation.

Stablecoins, als Hauptabwicklungsinstrument für DLT-Transaktionen, bergen Risiken wie die Abweichung vom Nennwert und mögliche Auswirkungen auf die geldpolitische Transmission.

Tokenisierte Bankeinlagen bieten ähnliche Vorteile innerhalb der bestehenden monetären Architektur.

Auch die Kapitalmärkte könnten sich neu formieren, indem Funktionen etablierter Intermediäre in Smart Contracts verlagert werden und neue systemrelevante Entitäten wie Validatoren entstehen.

Dies bietet Europa eine Chance zur Integration fragmentierter Kapitalmärkte.

Die zukünftige Konfiguration der DLT-Infrastruktur bleibt ebenfalls offen, wobei Interoperabilität und robuste Governance entscheidend sind.

Proaktiver Ansatz, Weg bleibt steinig

Die irische Zentralbank positioniert sich als aktiver Gestalter der tokenisierten Finanzwelt, ein wichtiger Impuls für die europäische Integration.

Madouros betont die Notwendigkeit von Systemkoordination und robuster Governance, um die Vorteile der DLT zu heben.

Doch viele Fragen zur praktischen Umsetzung und zur Bewältigung der Marktfragmentierung bleiben offen, was den Weg zu einer voll tokenisierten Finanzwelt lang und steinig macht.