Madouros: Nichtbanken-Finanzsektor braucht mehr Resilienz
Vasileios Madouros, stellvertretender Gouverneur der BIS, warnt vor zunehmenden „Tail Risks“ im Nichtbanken-Finanzsektor. Er fordert eine Stärkung der Widerstandsfähigkeit angesichts geopolitischer Unsicherheiten und neuer Geschäftsmodelle.
Das Paradox der Liquiditätshilfe
Der Nichtbanken-Finanzsektor, der mittlerweile rund die Hälfte der globalen Finanzanlagen hält, steht im Zentrum der Kapitalmärkte.
Madouros betonte, dass unvorhersehbare geopolitische Entwicklungen die Wahrscheinlichkeit von Schocks erhöht haben.
Gleichzeitig führen neue Aktivitäten, Geschäftsmodelle und Verflechtungen zu strukturellen Veränderungen.
Er verwies auf die 'Dash for Cash'-Episode 2020 und die LDI-Krise 2022, die zeigten, wie Schwachstellen in Teilen des Fondssektors zu marktweiten Störungen führen können.
In beiden Fällen waren außergewöhnliche Zentralbankinterventionen nötig, um die Funktionsfähigkeit der Märkte wiederherzustellen.
Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer makroprudenziellen Perspektive in der Regulierung und Aufsicht von Nichtbanken, um die kollektive Resilienz zu sichern.
Von der Politik zur Überwachung
Die Stärkung der Finanzstabilität im Fondssektor ist eine mehrjährige Priorität der Zentralbank.
International haben der FSB und die IOSCO Empfehlungen für Geldmarktfonds, offene Fonds und Leverage im Nichtbankensektor erarbeitet.
National wurden gezielte Maßnahmen für Sterling-LDI-Fonds und Immobilienfonds eingeführt.
Der Fokus verschiebt sich nun schrittweise auf Implementierung und Überwachung.
Dies umfasst die Umsetzung internationaler und EU-Initiativen sowie die Bewertung nationaler Maßnahmen.
Die Überwachung ist entscheidend, da der Fondssektor groß, vielfältig und komplex ist.
Investitionen in analytische Rahmenwerke und bessere Daten sollen potenzielle Schwachstellen wie Liquiditäts-Mismatches, Leverage oder Verflechtungen identifizieren und bewerten.
Verfügbarkeit ja, Nutzung noch zu zögerlich
Die Analyse der Zentralbank zeigt, dass Liquiditätsmanagement-Tools (LMTs) bei irischen offenen Fonds weit verbreitet sind, die Nutzung jedoch noch nicht flächendeckend erfolgt.
Obwohl 85 Prozent der Fonds über preisbasierte LMTs verfügen, wird deren Einsatz im Alltag noch zu selten praktiziert.
Insbesondere die Berücksichtigung von Marktauswirkungen bei Transaktionen bleibt mit nur 15 Prozent der Fonds gering.
Hier besteht klarer Handlungsbedarf, um die Wirksamkeit dieser Instrumente voll auszuschöpfen und die kollektive Resilienz nachhaltig zu stärken.