Doppelter Auslöser dominiert Hypothekenausfälle in Europa
Das Ausfallrisiko bei Hypotheken in Europa wird primär durch eine Kombination aus Liquiditätsstress und negativer Eigenkapitalposition getriggert. Eine neue Studie der OeNB zeigt, dass die Stärke der Schuldendurchsetzung dabei die Rolle des Eigenkapitals maßgeblich beeinflusst.
Der doppelte Auslöser als Haupttreiber
Eine Studie der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) analysiert harmonisierte Haushaltsdaten aus 18 europäischen Ländern, um die Auslöser von Hypothekenausfällen zu identifizieren.
Sie unterscheidet zwischen Liquiditätsstress, negativer Eigenkapitalposition und dem 'doppelten Auslöser', bei dem beides gleichzeitig auftritt.
Alle drei Faktoren erhöhen das Ausfallrisiko, doch der doppelte Auslöser ist der mit Abstand stärkste Prädiktor.
Er erhöht die Wahrscheinlichkeit notleidender Kredite um etwa 16 Prozentpunkte.
Liquiditätsprobleme oder negative Eigenkapitalpositionen allein steigern das Risiko moderater, um jeweils 4 bis 6 Prozentpunkte.
Die Autoren betonen, dass eine isolierte Betrachtung von Rückzahlungsfähigkeit oder Beleihungswerten unzureichend ist.
Institutionen prägen Ausfallmuster
Die Studie zeigt zudem, dass institutionelle Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle spielen.
Die Bedeutung einer negativen Eigenkapitalposition variiert je nach Stärke der Schuldendurchsetzung: In Ländern mit schwächerer Durchsetzung ist der Einfluss des Eigenkapitals auf das Ausfallrisiko ausgeprägter.
Dieses Muster ist konsistent mit der Annahme, dass niedrigere effektive Ausfallkosten die Anreize für eigenkapitalbezogene Ausfälle erhöhen.
Liquiditätsstress bleibt hingegen über alle institutionellen Settings hinweg ein zentraler Faktor, und der doppelte Auslöser behält seine dominante Rolle bei.
Die Ergebnisse liefern eine empirische Grundlage für makroprudenzielle Maßnahmen.
Gezielte Politik statt Einheitsbrei
Diese Erkenntnisse sind entscheidend für die Gestaltung makroprudenzieller Politik, da sie eine gemeinsame Betrachtung von Liquidität und Eigenkapital erfordern.
Frühwarnsysteme sollten die gemeinsame Verteilung beider Stressfaktoren überwachen, um Ausfallrisiken präzise zu erkennen.
Obwohl ein gemeinsamer europäischer Instrumentenkasten sinnvoll ist, deutet die Varianz der Auslöser auf nationalen Spielraum bei der Aktivierung und Kalibrierung hin.