Maechler: Vertrauen in Geld für Finanzökosystem 2.0
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Maechler: Vertrauen in Geld für Finanzökosystem 2.0

Andréa M. Maechler von der BIZ betont die zentrale Rolle von Vertrauen in Geld für das Finanzökosystem der nächsten Generation. Digitale Innovationen wie Tokenisierung erfordern neue Ansätze zur Sicherung dieses Vertrauens.

Die Geld-Hierarchie und ihre 'Moneyness'

Das Finanzsystem umfasst eine breite Palette monetärer und finanzieller Forderungen, die von Zentralbankreserven und Bargeld an der Spitze bis hin zu Bankeinlagen und geldähnlichen Instrumenten wie Geldmarktfonds (MMFs) reichen.

Der Grad der „Moneyness“ – also die Fähigkeit eines Instruments, als vertrauenswürdiges Zahlungsmittel zu dienen, Verpflichtungen zum Nennwert zu begleichen und nahtlos zu zirkulieren – ist bei Zentralbankreserven und Bankeinlagen am höchsten.

Zentralbankgeld gilt als die sicherste Form, da es kein Kredit- oder Ausfallrisiko birgt und durch die Glaubwürdigkeit der Zentralbank gestützt wird.

Bankeinlagen, obwohl private Verbindlichkeiten, genießen aufgrund ihrer Konvertierbarkeit in Zentralbankreserven und strenger Regulierung ebenfalls eine hohe „Moneyness“.

Historisch gesehen kann das Vertrauen in Bankeinlagen in Stresszeiten jedoch schwinden, was strenge Schutzmechanismen wie Einlagensicherungen und Liquiditätsfazilitäten der Zentralbank erfordert.

Geldähnliche Instrumente wie MMFs sind zwar hochliquide, dienen aber nicht direkt als Zahlungsmittel, sondern müssen in Einlagen umgewandelt werden.

Zwei-Stufen-Architektur als Vertrauensanker

Die heutige Zwei-Stufen-Geldarchitektur, bestehend aus öffentlichem Geld der Zentralbanken und privatem Geld der Geschäftsbanken, ist der Kern des Vertrauens in Geld.

Zentralbanken bilden das Herzstück, indem sie öffentliches Geld in Form von Reserven und Bargeld ausgeben und durch ihre Geldpolitik Preisstabilität gewährleisten.

Sie sichern zudem die Finanzstabilität durch Aufsicht und Liquiditätsfazilitäten, die Banken auch in Krisenzeiten Zugang zu Reserven ermöglichen.

Ein entscheidender Aspekt ist die Gewährleistung der Einheitlichkeit des Geldes: Ein Schweizer Franken einer Bank ist dasselbe wert wie der einer anderen Bank, auch in Krisenzeiten.

Dies geschieht durch die Garantie der Par-Abrechnung mit Zentralbankreserven über Echtzeit-Bruttoabwicklungssysteme (RTGS).

Nichtbanken-Finanzinstitute (NBFIs) spielen eine zunehmend wichtige Rolle in der Kreditvermittlung und können als dritte, äußere Stufe dieser Architektur betrachtet werden.

Sie sind eng mit Banken verbunden und nutzen deren Dienstleistungen zur Abwicklung von Zahlungen, wodurch sie Teil des geldpolitischen Transmissionsmechanismus bleiben.

Die zunehmende Kreditvermittlung durch NBFIs könnte jedoch systemische Risiken in Stressphasen verstärken.

Technologie ja, aber nicht um jeden Preis

Die Tokenisierung birgt ein enormes Potenzial, Zahlungen und Finanztransaktionen grundlegend zu verbessern, indem Geld und Vermögenswerte auf gemeinsamen programmierbaren Infrastrukturen zusammengeführt werden.

Stablecoins, als privat ausgegebene Token auf öffentlichen, permissionless Blockchains, bieten attraktive technologische Merkmale und potenzielle Anwendungsfälle.

Allerdings erben sie auch unerwünschte Eigenschaften dieser zugrunde liegenden Infrastrukturen, wie die Abhängigkeit von anonymen Validatoren und mangelnde Interoperabilität, was die Einheitlichkeit des Geldes untergräbt.

Zudem sind Integritätsherausforderungen auf permissionless Infrastrukturen besonders akut, da es an eingebetteten Compliance-Kontrollen mangelt.

Eine unregulierte Entwicklung könnte das fragile Vertrauen in Geld untergraben und die Finanzstabilität gefährden.