Forschungspapier: Spaniens EU-Beitritt senkte Lohnungleichheit
BIS Paper Read in English

Forschungspapier: Spaniens EU-Beitritt senkte Lohnungleichheit

Spaniens Beitritt zum Europäischen Binnenmarkt 1993 reduzierte die Lohnungleichheit. Ein Forschungspapier belegt, dass dies durch Lohnzuwächse am unteren und -verluste am oberen Ende der Verteilung geschah.

Lohnkompression durch Handel

Drei Ökonomen untersuchen die Auswirkungen der Handelsliberalisierung auf die gesamte Lohnverteilung in Spanien.

Sie nutzen den Beitritt des Landes zum Europäischen Binnenmarkt (ESM) im Jahr 1993 als natürliches Experiment.

Mittels einer neuartigen Shift-Share-Instrumentenvariable, eingebettet in eine bedingungslose Quantilsregression, identifizieren sie kausale Effekte.

Die zentrale Erkenntnis: Die Liberalisierung führte zu einer Lohnkompression, indem sie zu Einkommensgewinnen am unteren Ende der Verteilung und Lohnverlusten am oberen Ende führte.

Diese Kompression wird auf zwei asymmetrische Kanäle zurückgeführt: Importkonkurrenz schadete überproportional den Top-Verdienern, während Exportchancen den Geringverdienern zugutekamen.

Ein Schlüsselmechanismus ist dabei ein importgetriebenes 'Skill-Downgrading'.

Skill-Downgrading statt Skill-Upgrading

Der zentrale Mechanismus hinter der Lohnkompression ist ein importgetriebenes 'Skill-Downgrading'.

Hohe Einkommen wurden geschädigt, da Importkonkurrenz sie in geringer qualifizierte Rollen drängte.

Gleichzeitig stieg die Nachfrage nach gering qualifizierter Arbeit, was den relativen Gewinn für Geringverdiener erklärt.

Diese Ergebnisse stehen im Gegensatz zur etablierten Literatur, die oft findet, dass Importe Geringqualifizierte schädigen und Exporte Hochqualifizierten zugutekommen, was die Ungleichheit verschärft.

Das Forschungspapier löst dieses Paradoxon mit der Erkenntnis, dass die Verteilungseffekte des Handels entscheidend von der Qualifikationsintensität des handelbaren Sektors eines Landes abhängen.

Spaniens Sektor war damals relativ geringqualifikationsintensiv.

Kontext zählt, nicht nur Handel

Diese Studie liefert eine wichtige Korrektur zur gängigen Erzählung über die Verteilungseffekte des Handels.

Sie zeigt eindringlich, dass die Auswirkungen stark vom nationalen Kontext abhängen und nicht pauschalisiert werden können.

Für die Handelspolitik bedeutet dies, dass eine differenzierte Betrachtung der Sektorstruktur unerlässlich ist, um unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden.