US-Arbeitsstunden: Gesundheitsleistungen treiben Konvergenz voran
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US-Arbeitsstunden: Gesundheitsleistungen treiben Konvergenz voran

Eine neue Studie der Federal Reserve Bank of St. Louis zeigt, dass sich die Lücke in den Arbeitsstunden zwischen Amerikanern und Nicht-Amerikanern seit den 2000er Jahren halbiert hat. Hauptgrund für den Rückgang der US-Arbeitsstunden sind gestiegene staatliche Gesundheitsleistungen für Nicht-Erwerbstätige.

Medicaid verzerrt Arbeitsanreize

Die Studie dokumentiert, dass die durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Person in den USA nach 2000 sanken.

Dies ist primär auf den Anstieg staatlicher Gesundheitsleistungen für Nicht-Erwerbstätige zurückzuführen, insbesondere Medicaid.

Die Zahl der Amerikaner, die Medicaid beziehen, stieg von rund 20 Millionen in den frühen 1970er Jahren auf fast 100 Millionen in den frühen 2020er Jahren.

Dieser Anstieg der Leistungen verzerrt die Anreize am Arbeitsmarkt, indem er den Wert der Nicht-Erwerbstätigkeit erhöht und somit die Entscheidung zur Arbeitsaufnahme beeinflusst.

Das entwickelte Modell berücksichtigt dabei individuelle Heterogenität, die extensive Marge der Arbeitsmarktpartizipation, Mehrpersonenhaushalte sowie ein detailliertes System von Steuern und Leistungen bei Nicht-Erwerbstätigkeit.

Die Forscher identifizierten Modellparameter und Heterogenitätsquellen für verschiedene Länder mittels Mikro- und Aggregatdaten.

Die Analyse zeigt, dass die Auswirkungen hauptsächlich über die extensive Marge der Arbeitsangebotsentscheidung wirken.

Europas Arbeitszeiten steigen, Amerikas sinken

Während die US-Arbeitsstunden sanken, stiegen die Arbeitsstunden in Nicht-US-Ländern in den letzten zwei Jahrzehnten an.

Diese Konvergenz ist auf der extensiven Marge konzentriert und betrifft Männer wie Frauen.

Traditionell großzügigere Leistungen für Nicht-Erwerbstätige in Nicht-US-Ländern haben sich im Zeitverlauf nicht so stark verändert wie in den USA.

Dort hängt die öffentliche Gesundheitsversorgung zudem nicht vom Beschäftigungsstatus oder Einkommen ab.

Der Anstieg des Arbeitsangebots in diesen Ländern wird typischerweise durch eine Mischung aus steigenden Löhnen und einer sinkenden Arbeitsunlust erklärt.

Die Analyse umfasste Daten für Kanada, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Schweden und das Vereinigte Königreich.