Stournaras: Griechische Banken gestärkt, aber Risiken bleiben
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Stournaras: Griechische Banken gestärkt, aber Risiken bleiben

Die griechischen Banken haben sich nach einer tiefgreifenden Transformation deutlich erholt, doch die Aussichten für 2026 bleiben von erheblichen Risiken geprägt. Dies betonte Yannis Stournaras, Gouverneur der Bank von Griechenland, in seiner Rede am 30. Januar 2026 in Athen.

Erfolgreiche Transformation: Von der Krise zur Stärke

Der griechische Bankensektor hat in den letzten zehn Jahren eine tiefgreifende Transformation durchlaufen, mit erheblichen Verbesserungen bei Bilanzen, Profitabilität, Liquidität und Kapitalpositionen.

Seit März 2016, dem Höhepunkt der notleidenden Kredite (NPLs), wurde der Bestand an Altkrediten um 95 Prozent reduziert.

Das Hellenic Asset Protection Scheme (HAPS) war hierbei ein Schlüsselfaktor.

Dadurch sank die NPL-Quote bis zum dritten Quartal 2025 auf 3,6 Prozent.

Die Liquiditätsbedingungen sind reichlich, gestützt durch starkes Einlagenwachstum.

Die Profitabilität bleibt solide, mit einer Eigenkapitalrendite (RoE) von rund 12 Prozent.

Die Kapitaladäquanz liegt bei etwa 20 Prozent, deutlich über den regulatorischen Anforderungen.

Banken diversifizieren zudem ihre Einnahmequellen, etwa durch Akquisitionen in Zypern und strategische Partnerschaften wie die von Alpha Bank mit UniCredit in Rumänien.

Diese Entwicklung spiegelt eine stärkere regionale Integration wider.

Europäische Stärkung trifft auf globale Unsicherheit

Die positive Entwicklung in Griechenland spiegelt eine breitere Stärkung des europäischen Bankensektors wider.

Kapitalpuffer, Asset-Qualität und Profitabilität haben sich EU-weit deutlich verbessert: Die Gesamtkapitalquote erreichte im September 2025 20,4 Prozent, die NPL-Quote sank auf 1,8 Prozent und die Eigenkapitalrendite erholte sich auf 10,7 Prozent.

Trotz dieser Fundamentaldaten bleibt der Ausblick für 2026 erheblichen Abwärtsrisiken unterworfen.

Geopolitische Konflikte und Cyberrisiken sind dominierende Unsicherheitsquellen.

Zudem erfordern bestimmte Kreditsegmente genaue Überwachung.

Strukturelle Herausforderungen wie Demografie und Klimawandel sowie Ansteckungsrisiken durch Nichtbanken-Finanzintermediäre (NBFIs) und Krypto-Asset-Märkte sind ebenfalls zu beachten.

Kein Raum für Selbstzufriedenheit

Trotz der beeindruckenden Fortschritte in Griechenland und Europa bleibt die Finanzstabilität fragil angesichts der vielfältigen globalen Risiken.

Die Mahnung Stournaras' zur Vorsicht ist daher angebracht und unterstreicht die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Stärkung der Kapitalpuffer und Governance-Standards.

Die Forderung nach einer Vertiefung der Bankenunion ist entscheidend, um die Fragmentierung zu reduzieren und das System langfristig widerstandsfähiger zu machen.