Stournaras: Griechischer Versicherungsmarkt vor großen Hürden
Yannis Stournaras, Gouverneur der Bank von Griechenland, beleuchtet die Herausforderungen für den griechischen Versicherungsmarkt. Trotz starker Kapitalposition bleiben strukturelle Risiken und Regulierungslücken bestehen.
Resilienz trotz globaler Turbulenzen
Der griechische Versicherungsmarkt hat sich in den letzten Jahren als widerstandsfähig erwiesen, so Yannis Stournaras, Gouverneur der Bank von Griechenland.
Trotz globaler Herausforderungen wie geopolitischer Spannungen, extremer Wetterereignisse und der Energiekrise konnten die Versicherungsunternehmen ihre Kapitalpositionen stärken.
Im Jahr 2025 beliefen sich die Gesamtaktiva der von der Bank von Griechenland beaufsichtigten Versicherungsunternehmen auf 22,1 Milliarden Euro, davon 7,3 Milliarden Euro in Staatsanleihen und 3,1 Milliarden Euro in Unternehmensanleihen.
Die Gesamtverbindlichkeiten erreichten 17,9 Milliarden Euro, wobei die technischen Rückstellungen 16,1 Milliarden Euro ausmachten.
Die Eigenmittel betrugen 4,2 Milliarden Euro, und die Solvenzkapitalanforderung (SCR) von 2,3 Milliarden Euro war durch 3,9 Milliarden Euro an anrechenbaren Eigenmitteln gedeckt.
Die SCR-Deckungsquote lag bei 173 Prozent, während die MCR-Deckungsquote 474 Prozent erreichte.
Der Markt hat sich durch Fusionen und Übernahmen transformiert und umfasst nun 31 Solvency II-beaufsichtigte Unternehmen, von denen elf zu ausländischen Versicherungsgruppen gehören.
Diese Entwicklung unterstreicht die Fähigkeit des Sektors, auf externe Schocks zu reagieren und gleichzeitig eine solide finanzielle Basis zu bewahren.
Strukturelle Lücken und neue Produktwelten
Der griechische Versicherungsmarkt steht vor strukturellen Herausforderungen, die über aktuelle Entwicklungen hinausgehen.
Die anhaltende Versicherungslücke (GWP/BIP) beeinträchtigt die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit des Landes, insbesondere angesichts der hohen Anfälligkeit Griechenlands für Naturkatastrophen.
Die Deckung für Risiken wie Erdbeben, Überschwemmungen und Waldbrände bleibt unverhältnismäßig niedrig, ebenso wie in Bereichen wie Renten- und Krankenversicherung.
Die Bank von Griechenland konzentriert sich zudem auf die Überwachung des Preis-Leistungs-Verhältnisses von anlagegebundenen Versicherungsprodukten (Unit-Linked).
Hierbei stehen die Verbesserung des Verständnisses der Verbraucher für Risiken und die Stärkung der Beratung im Vordergrund, um unlautere Praktiken zu verhindern.
Auch die Bewertung der Geschäftspraktiken im Produktlebenszyklus (POG-Prinzip) ist entscheidend, um die Bedürfnisse der Versicherungsnehmer zu erfüllen.
Digitalisierung und Klima als Doppelaufgabe
Die Rede von Stournaras unterstreicht die Dringlichkeit, mit der der griechische Versicherungsmarkt auf die doppelten Herausforderungen von Digitalisierung und Klimawandel reagieren muss.
Während neue Regulierungen wie DORA und die Solvency II-Überarbeitung einen Rahmen bieten, bleiben die effektive Umsetzung und die Schließung der Versicherungslücke entscheidend für die Stabilität.
Ohne proaktives Handeln der Aufsicht und der Unternehmen drohen die Risiken die Chancen für Innovation und Wachstum zu überwiegen.