Stournaras: Energiepreisschock fordert EZB und EU-Politik
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Stournaras: Energiepreisschock fordert EZB und EU-Politik

Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras warnt vor den stagflationären Folgen des Energiepreisschocks. Er fordert eine koordinierte EU-Antwort zur Unterstützung der EZB-Geldpolitik.

Navigieren im Stagflations-Sturm

Der Krieg im Nahen Osten hat Europa erneut mit einem externen Angebotsschock konfrontiert, primär über die Energiemärkte.

Als Nettoenergieimporteur sieht sich der Euroraum einem negativen Terms-of-Trade-Effekt gegenüber, der politische Entscheidungsträger vor neue Dilemmata stellt.

Laut EZB-Projektionen vom März wird der Energiepreisschock die Inflation kurzfristig auf 3,1 Prozent im zweiten und 2,8 Prozent im dritten Quartal treiben.

Gleichzeitig belasten höhere Energiekosten, sinkende Realeinkommen und erhöhte Unsicherheit das Wachstum, das für dieses Jahr bei 0,9 Prozent prognostiziert wird.

Die mittelfristige Inflationsprognose bleibt jedoch nahe dem Zwei-Prozent-Ziel.

Die EZB muss diese Unsicherheit navigieren und eine Reaktion auf angebotsgetriebene Inflation finden, ohne die Wirtschaft zu stark zu bremsen.

Eine ähnliche Herausforderung meisterte die EZB bereits in den frühen 2020er Jahren erfolgreich, indem sie die Inflation eindämmte und eine weiche Landung der Wirtschaft erreichte.

Stärkere Ausgangsposition, neue Risiken

Die aktuelle Episode könnte sich als schwieriger erweisen als die Inflation von 2021-2022.

Die frische Erinnerung an zweistellige Teuerungsraten könnte schnellere Lohn- und Preisreaktionen auslösen.

Zudem könnten wiederkehrende Angebotsschocks die Rolle der Zentralbanken als Inflationsanker schwächen.

Die EZB muss daher schnell auf Anzeichen von Zweitrundeneffekten oder einer Entankerung der Inflationserwartungen reagieren.

Dennoch startet der Euroraum aus einer stärkeren Position: Die Inflation liegt seit fast einem Jahr um das 2-Prozent-Ziel, der Einlagenzins ist mit 2,0 Prozent im neutralen Bereich, und die Bilanznormalisierung ist weit fortgeschritten.

Der EZB-Rat verfügt zudem über verbesserte Analyseinstrumente.

Geldpolitik allein reicht nicht

Die Wirksamkeit der Geldpolitik wird durch die anhaltende Fragmentierung im Euroraum beeinträchtigt.

Eine tiefere Integration, insbesondere durch eine Banken- und Kapitalmarktunion, würde die Transmission der Geldpolitik stärken und die Resilienz erhöhen.

Ohne eine kohärente, EU-weite strategische Antwort auf Herausforderungen wie den Energiepreisschock bleibt Europa anfällig für externe Schocks und die Geldpolitik weniger effektiv.