Stournaras: Mehr Europa nach Krisenlektionen
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Stournaras: Mehr Europa nach Krisenlektionen

Yannis Stournaras, Gouverneur der Bank von Griechenland, plädiert für eine tiefere europäische Integration. Er zieht Lehren aus der griechischen Schuldenkrise und fordert ein entschlossenes Handeln für die Zukunft der Eurozone.

Griechenlands Weg: Von der Krise zur Stärke

Yannis Stournaras, Gouverneur der Bank von Griechenland, würdigte die entscheidende Rolle des Wirtschafts- und Finanzausschusses (EFC) bei der Vorbereitung der Euro-Einführung und Griechenlands Beitritt 2001.

Er hob die substanziellen Vorteile der Euro-Mitgliedschaft hervor, darunter die Eliminierung des Wechselkursrisikos, gestärkte monetäre Glaubwürdigkeit und Zugang zu liquiden Finanzmärkten.

Trotz dieser Vorteile führten expansive Fiskalpolitik und ungelöste strukturelle Schwächen zur schweren Staatsschuldenkrise.

Der EFC spielte eine instrumentelle Rolle bei der Bewältigung der Krise und der Verhinderung eines "Grexit", der katastrophale Folgen gehabt hätte.

Als Finanzminister (2012-2014) erlebte Stournaras die Arbeit des Ausschusses, der Maßnahmen wie den EFSF, ESM und die Bankenunion vorantrieb.

Griechenland hat seitdem tiefgreifende Fortschritte erzielt: Das primäre Haushaltsdefizit von 10,1% des BIP im Jahr 2009 wandelte sich bis 2018 in einen Überschuss von über 4%.

Der Bankensektor wurde restrukturiert, und wichtige Strukturreformen wurden umgesetzt.

Heute verzeichnet Griechenland überdurchschnittliches Wachstum und sinkende Arbeitslosigkeit.

Der Ruf nach mehr Europa

Stournaras betonte, dass die Lehren aus der Krise eine tiefere EU-Integration erfordern.

Er forderte eine echte Kapitalmarktunion, ein europäisches sicheres Asset und eine koordinierte Investitionsstrategie.

Zudem müssten Handelsbarrieren abgebaut und Reformen zur Steigerung der Produktivität umgesetzt werden.

Er warnte davor, die bewährten Aufsichts- und Regulierungsrahmen zu untergraben, plädierte aber für eine flexible Anwendung.

Gleichzeitig müsse die Bankenunion mit einem europäischen Einlagensicherungssystem (EDIS) vollendet werden.

Die Erfahrungen mit dem NextGenerationEU-Programm (NGEU) zeigten, dass die EU kollektiv Kredite aufnehmen kann, um gemeinsame Ziele wie Verteidigung und grüne Energie zu finanzieren.

Dies würde auch die internationale Rolle des Euro stärken, was jedoch fiskalische und finanzielle Stabilität in allen Mitgliedstaaten voraussetzt.