Stournaras: Sparkapital für Europas Wachstum mobilisieren
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Stournaras: Sparkapital für Europas Wachstum mobilisieren

Angesichts geopolitischer Turbulenzen fordert Yannis Stournaras, Gouverneur der Bank von Griechenland, die Mobilisierung europäischer Ersparnisse für Investitionen. Die Spar- und Investitionsunion (SIU) sei entscheidend für Europas Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.

Investitionslücke trotz Sparüberschuss

Die anhaltenden geopolitischen Turbulenzen im Nahen Osten haben die Energieversorgungsketten gestört und einen weiteren angebotsseitigen Schock für die Weltwirtschaft ausgelöst.

Dieser führt zu erheblichem Inflationsdruck und bremst die Wirtschaftstätigkeit.

Besonders betroffen ist der Euroraum als Nettoenergieimporteur.

Um die Abhängigkeit von importierter Energie zu reduzieren und die Technologie zu modernisieren, sind massive Investitionen erforderlich.

Laut dem Draghi-Bericht benötigt Europa bis 2030 jährlich zusätzliche Investitionen von 750-800 Milliarden Euro.

Obwohl Europa mit einem Leistungsbilanzüberschuss von 3% des BIP und privaten Ersparnissen von 33 Billionen Euro über ausreichend Kapital verfügt, fließt dieses nicht ausreichend in die heimische Wirtschaft.

Europäische Haushalte sparen etwa 15% ihres Einkommens, doppelt so viel wie in den USA oder Großbritannien, legen ihre Gelder aber lieber auf Bankkonten an, statt sie direkt in Aktien oder Investmentfonds zu investieren.

Dies zeigt sich darin, dass europäische Haushalte nur etwa 60% der Aktien- und Fondsanteile von US-Haushalten halten.

SIU als Katalysator für Wachstum

Die Spar- und Investitionsunion (SIU) zielt darauf ab, diese Ersparnisse über die Kapitalmärkte in produktive und innovative Bereiche der europäischen Wirtschaft zu lenken.

Dies soll die Produktivität steigern, die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und die Finanzierungskosten senken.

Ein zentraler Baustein ist das Marktintegrations- und Aufsichtspaket (MISP).

Es fördert pan-europäische Marktakteure (PEMO) mit einer einzigen Lizenz für grenzüberschreitende Operationen.

Zudem stärkt es die Aufsichtsrolle der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) und harmonisiert Börsenzulassungs- sowie Offenlegungspflichten.

Auch die Reduzierung der Fragmentierung im Nachhandelsbereich (Clearing, Settlement, Custody) und ein gemeinsamer EU-Rahmen für Distributed-Ledger-Technologie (DLT) sind entscheidend, um nationale Flickenteppiche zu vermeiden.

Mehr als nur Kapitalmärkte

Die SIU ist mehr als nur eine technische Anpassung; sie ist eine strategische Notwendigkeit für Europas Zukunft.

Nur durch die konsequente Mobilisierung von Kapital und die Vollendung der Bankenunion, inklusive EDIS, kann Europa seine Innovationskraft entfesseln und globale Wettbewerbsfähigkeit sichern.

Die Einführung von Eurobonds als sichere europäische Vermögenswerte würde diesen Prozess zusätzlich beschleunigen und die Attraktivität des Euro stärken.