BoC-Rahmenwerk vor Erneuerung fokussiert Angebots-Dilemmata
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BoC-Rahmenwerk vor Erneuerung fokussiert Angebots-Dilemmata

Die Bank of Canada (BoC) überprüft ihr geldpolitisches Rahmenwerk angesichts zunehmender angebotsseitiger Herausforderungen. Eine Rede in Oslo beleuchtete die Notwendigkeit, Zielkonflikte zwischen Inflation und Wirtschaftswachstum zu managen.

Erfolgreiches Rahmenwerk vor Neubewertung

Das geldpolitische Rahmenwerk der Bank of Canada (BoC) mit einem Inflationsziel von 2 Prozent (Bandbreite 1 bis 3 Prozent) wird in diesem Jahr erneuert.

Es hat sich in den 25 Jahren vor der Pandemie als äußerst erfolgreich erwiesen, mit einer durchschnittlichen Inflation nahe 2 Prozent.

Selbst als die Inflation Mitte 2022 über 8 Prozent erreichte, blieben die Inflationserwartungen der Kanadier fest verankert.

'Wir sind zuversichtlich, dass 2 Prozent immer noch das beste Ziel für Kanada ist,' so die BoC.

Die Welt hat sich jedoch in den letzten fünf Jahren stark verändert, wobei angebotsseitige Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, die Neukonfiguration des Welthandels, alternde Bevölkerungen und geopolitische Spannungen zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Diese Kräfte beeinflussen Produktionskosten, Kapitaleffizienz und Arbeitskräfteeinsatz und können zu schwierigen Zielkonflikten führen, bei denen eine schwache Wirtschaft mit hoher Inflation einhergeht.

Zielkonflikte in Quadrant A

Die Geldpolitik der Bank of Canada (BoC) muss sich an die jeweilige Wirtschaftslage anpassen, die durch vier Quadranten beschrieben wird.

Während in Quadrant B (starke Nachfrage, hohe Inflation) eine Straffung und in Quadrant C (schwache Wirtschaft, niedrige Inflation) eine Lockerung der Politik ohne größere Zielkonflikte erfolgen kann, sind die Quadranten A und D komplexer.

Angebotsseitige Schocks, wie der globale Chipmangel oder extreme Wetterereignisse, können die Wirtschaft in Quadrant A drängen: eine schwache Wirtschaft bei gleichzeitig hoher Inflation.

Hier führt eine Straffung der Geldpolitik zu einer weiteren Schwächung der Wirtschaft, während eine Lockerung die Inflation vom Ziel wegbewegen könnte.

Diese Situation, in der die BoC in den letzten Jahren häufiger war, stellt einen unbequemen Zielkonflikt dar.

Die BoC unterscheidet zwischen temporären Schocks und strukturellen Veränderungen, die das Potenzialwachstum und die Wirtschaftsstruktur dauerhaft verändern können, wie etwa die Auswirkungen von KI und Handelsumstrukturierungen.

Vorausschauend, aber noch vage

Die Rede der Bank of Canada markiert einen wichtigen Schritt in der Anpassung der Geldpolitik an eine Welt, in der angebotsseitige Schocks dominieren.

Sie verdeutlicht die zunehmende Komplexität, mit der Zentralbanken konfrontiert sind, wenn sie zwischen Inflationskontrolle und Wirtschaftsstabilität abwägen müssen.

Konkrete neue Instrumente oder eine klare Neuausrichtung des Rahmenwerks bleiben jedoch noch aus, was die Unsicherheit über die zukünftige praktische Umsetzung bestehen lässt.