Geldpolitik beeinflusst neutralen Zins und BIP-Trendwachstum
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Geldpolitik beeinflusst neutralen Zins und BIP-Trendwachstum

Eine Studie der Bank of Canada zeigt, dass geldpolitische Schocks den neutralen Zins (r*) und das Trend-BIP-Wachstum beeinflussen. Kontraktive Schocks senken r* und reduzieren das Trend-BIP-Wachstum, tragen aber nur begrenzt zum säkularen Rückgang von r* bei.

Unerwartete Zinsänderungen beeinflussen den neutralen Zins

Die Studie der Bank of Canada entwickelt ein Trend-Zyklus-Bayesianisches VAR-Modell (TC-BVAR), um den realen neutralen Zinssatz (r*) und geldpolitische Schocks gemeinsam zu schätzen.

Eine zentrale Neuerung ist, dass zyklische Schocks, insbesondere geldpolitische Schocks, den Trend makroökonomischer Variablen beeinflussen können.

Die Forscher finden, dass kontraktive geldpolitische Schocks – unerwartete Erhöhungen des kurzfristigen Nominalzinses – den neutralen Zins (r*) reduzieren und das Trend-BIP-Wachstum senken.

Obwohl diese Schocks erhebliche Bewegungen in r* verursachen, ist ihr Beitrag zum säkularen Rückgang von r* seit den frühen 1990er Jahren bescheiden und leicht positiv.

Dies deutet darauf hin, dass die Geldpolitik einen stärkeren Rückgang von r* möglicherweise verhindert hat, aber nicht der Haupttreiber des langfristigen Rückgangs ist.

Reale Kanäle statt Finanzmärkte

Die Untersuchung beleuchtet auch die Kanäle, über die geldpolitische Schocks r* beeinflussen.

Die Ergebnisse legen nahe, dass kontraktive Schocks das Trend-BIP-Wachstum senken, was mit Modellen endogenen Wachstums oder Hysterese übereinstimmt.

Im Gegensatz dazu haben diese Schocks nur einen kleinen, positiven und statistisch schwachen Effekt auf die langfristige Risikoprämie.

Dies deutet darauf hin, dass die Wirkung geldpolitischer Schocks auf r* eher über reale Wirtschaftskanäle als über Finanzmarktkanäle erfolgt.

Die Ergebnisse sind zudem konsistent mit internationalen Daten aus Kanada, Japan, Großbritannien und dem Euroraum.

Ein wichtiger Schritt zur Entmystifizierung

Diese Studie liefert eine wichtige empirische Bestätigung für die wachsende Erkenntnis, dass Geldpolitik langfristige Effekte haben kann.

Sie entkräftet die Annahme einer vollständigen Exogenität des neutralen Zinses, ohne jedoch die Hauptursache für dessen säkularen Rückgang in der Geldpolitik zu sehen.

Für Zentralbanken bedeutet dies, dass sie die potenziellen Langfristwirkungen ihrer Entscheidungen stärker berücksichtigen müssen, auch wenn diese schwer zu quantifizieren sind.