Macklem: Ungleichgewichte gefährden Finanzstabilität
Der Gouverneur der Bank of Canada, Tiff Macklem, warnt, dass sich aus den wieder zunehmenden globalen Ungleichgewichten erhebliche Risiken für die Finanzstabilität ergeben. Er betont die Notwendigkeit einer proaktiven Anpassung des internationalen Währungs- und Finanzsystems, um künftige Krisen zu vermeiden.
Chinas Überschuss, Amerikas Defizit
Macklem hebt hervor, dass globale Ungleichgewichte, wie Chinas großer und wachsender Handelsüberschuss sowie das US-Handelsdefizit, wieder zunehmen.
Chinas Überinvestitionen in der Fertigung schaffen Überkapazitäten und deflationäre Kräfte, was zu Exporten und Handelsspannungen führt.
Das US-Defizit wird durch große Kapitalzuflüsse finanziert, was die Netto-Auslandsinvestitionsposition der USA historisch negativ macht.
Diese Ungleichgewichte können Handelslücken vergrößern, Protektionismus anheizen und Vermögenspreise verzerren.
Besonders problematisch ist die Interaktion mit einem Finanzsystem, das schneller, komplexer und zunehmend von weniger regulierten Nichtbanken dominiert wird.
Dies erhöht die Risiken der Kapitalfehlallokation und plötzlicher Umkehr von Kapitalströmen, die weit über die US-Grenzen hinaus Stress verursachen könnten.
Krisen als Treiber des Wandels
Die Geschichte zeigt, dass das internationale Währungs- und Finanzsystem oft durch Krisen geformt wurde, die durch ungelöste Ungleichgewichte ausgelöst wurden.
Unter dem Goldstandard führten Ungleichgewichte zu schmerzhaften Anpassungen durch Löhne und Preise.
Das Bretton-Woods-System scheiterte 1971, als die USA die Konvertibilität des Dollars aussetzten, da inländische Ziele die internationalen Regeln überwogen.
Die globale Finanzkrise 2008–09 verdeutlichte zudem, wie schnell sich Krisen durch vernetzte Finanzsysteme ausbreiten.
Macklem betont, dass der Versuch, Kosten durch Zölle oder Abwertungen auf andere abzuwälzen, nicht funktioniert und das globale Wachstum schädigt.
Die Lehre ist klar: Anpassungen erfolgen oft erst in Krisenmomenten, was kostspielig ist.
Anpassung oder Krise
Macklem warnt eindringlich, dass verzögerte Anpassungen letztlich zu erzwungenen und weitaus disruptiveren Veränderungen führen.
Der Konsens wächst, dass die globalen Ungleichgewichte in den größten Volkswirtschaften selbst verwurzelt sind und eine koordinierte Lösung erfordern: China muss mehr konsumieren, die USA mehr sparen und Europa mehr investieren.
Nur so lässt sich Stabilität fördern und ein kostspieliger, krisengetriebener Wandel vermeiden.
Quelle: Global imbalances, growth and stability
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