Inflation vs. Inklusion: Stabilisierungspolitik nach der Pandemie
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Inflation vs. Inklusion: Stabilisierungspolitik nach der Pandemie

Eine neue Studie der Bank of Canada modelliert das Dilemma zwischen inklusiver Erholung und Inflationsrisiko nach einer Krise. Sie untersucht die US-Geld- und Fiskalpolitik nach der Pandemie unter Berücksichtigung der Nullzinsgrenze und Kapazitätsengpässe.

Inklusion vs. Inflation: Ein schwieriger Balanceakt

Makroökonomische Politik steht nach einer Krise vor einem Dilemma: Ein längerer Stimulus kann eine inklusivere Erholung des Arbeitsmarktes fördern, birgt aber das Risiko, Inflation zu entfachen, die letztlich das Realeinkommen der Arbeitnehmer untergräbt.

Diese Spannung verstärkt sich bei der Nullzinsgrenze (ZLB) und aggregierten Kapazitätsengpässen.

Traditionell wurde der Erfolg von Politiken an ihrer Fähigkeit gemessen, eine schnelle Erholung aggregierter Indikatoren wie Output oder Arbeitslosigkeit herbeizuführen.

Zunehmende Mikrodaten und Modelle mit heterogenen Akteuren verschieben den Fokus jedoch auf eine inklusive Erholung, die individuelle Notlagen über die gesamte Verteilung hinweg lindert.

Dies erfordert möglicherweise eine längere Unterstützung, birgt aber das Risiko einer Überhitzung und unkontrollierter Inflation.

Die US-Erholung von der Pandemie-Rezession ist ein prägnantes Beispiel, da die Stabilisierungspolitik zwischen ZLB und Kapazitätsengpässen gefangen war.

Inklusive Politik trifft auf Inflation

Die US-Fiskalpolitik zielte mit drei Runden von Economic Impact Payments, einer erweiterten Arbeitslosenversicherung und dem Child Tax Credit explizit auf einkommensschwache Haushalte ab.

Monetär verfolgte die Fed ab September 2020 eine Politik des 'Maximum Employment', indem sie die Zinsen an der Nullgrenze hielt, bis der Arbeitsmarkt vollständig erholt war – eine Abkehr von früherer 'präventiver Straffung'.

Diese Maßnahmen führten zu einem starken Lohnwachstum im unteren Einkommensbereich, der sogenannten 'unerwarteten Kompression' der Lohnverteilung.

Gleichzeitig kam es jedoch zu einem starken Inflationsanstieg, der die Reallohngewinne wieder zunichtemachte.

Dieser Anstieg wird der Kombination aus expansivem Fiskal- und Geldstimulus bei gleichzeitigen Lieferkettenengpässen zugeschrieben.

Unkoordinierte Politik, hohe Kosten

Die Studie legt offen, dass die Navigation zwischen Inflation und Inklusion nach der Pandemie außergewöhnlich schwierig war, da die Politik zwischen ZLB und Kapazitätsengpässen gefangen war.

Insbesondere die gemeinsame, unkoordinierte Anwendung von expansivem Fiskal- und Geldstimulus führte zum historischen Inflationsschub.

Ein traditionellerer, inflationsfokussierterer Ansatz der Zentralbank in Kombination mit inklusiver Fiskalpolitik hätte für die Mehrheit der Haushalte ein höheres Wohlfahrtsniveau erzielt.