Lieferketten-Schocks prägen Inflation: Kanadas Geldpolitik im Wandel
Sharon Kozicki, stellvertretende Gouverneurin der Bank of Canada, erörtert die Herausforderungen der Geldpolitik in einer Welt, in der Angebotsschocks die Inflation stärker beeinflussen. Die Zentralbank muss ihre Instrumente anpassen, um diesen neuen Treibern zu begegnen.
Vom Nachfrage- zum Angebotsschock
Die Bank of Canada (BoC) überprüft ihr geldpolitisches Rahmenwerk alle fünf Jahre, um es für zukünftige Herausforderungen zu rüsten.
Das 2-Prozent-Inflationsziel bleibt dabei bestehen, mit Flexibilität bei der Rückführung der Inflation.
Ein zentraler Wandel der letzten fünf Jahre ist die zunehmende Bedeutung angebotsseitiger Entwicklungen als Inflationstreiber.
Vor der COVID-19-Pandemie war die Inflation typischerweise nachfragegetrieben: Eine schwache Wirtschaft führte zu Inflation unter dem Ziel, eine starke Wirtschaft zu Inflation darüber.
Angebotsschocks können jedoch Wirtschaft und Inflation in entgegengesetzte Richtungen drängen – zu einer schwächeren Wirtschaft und Inflation über dem Ziel.
Dies stellt Zentralbanken vor schwierige Entscheidungen, da eine Straffung der Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung die Wirtschaft weiter schwächen kann.
Die BoC betont die Notwendigkeit, die Auswirkungen vielfältiger angebotsseitiger Entwicklungen zu verstehen, um für die Zukunft gerüstet zu sein.
Vielfältige Schocks, schwierige Abwägungen
Die Pandemie mit ihren globalen Lieferkettenstörungen war ein jüngstes Beispiel für massive Angebotsschocks.
Heute prägen weitere Kräfte die Wirtschaft: die Neukonfiguration des Welthandels, der Aufstieg der künstlichen Intelligenz, eine alternde Bevölkerung, geopolitische Spannungen und häufigere extreme Wetterereignisse.
Bei solchen Entwicklungen müssen politische Entscheidungsträger die Größe und Dauer der Inflationsauswirkungen genau beurteilen.
Sie stehen vor der schwierigen Abwägung zwischen hoher Inflation und schwacher Wirtschaftstätigkeit.
Manchmal kann es sinnvoll sein, kurzlebige oder begrenzte Effekte zu 'ignorieren'.
In anderen Fällen muss die BoC jedoch handeln, auch wenn die Wirtschaft bereits schwach ist.
Entscheidend ist die flexible Anwendung des geldpolitischen Rahmenwerks, um die Inflation zum Ziel zurückzuführen und gleichzeitig negative Effekte zu minimieren.
Komplexere Welt, schärfere Instrumente
Die Rede von Sharon Kozicki unterstreicht eine fundamentale Verschiebung in den Inflationsdynamiken, die über traditionelle Nachfragemodelle hinausgeht.
Dies deutet auf eine komplexere und potenziell volatilere Zukunft für die Geldpolitik hin, die verbesserte Analyseinstrumente und eine klare Kommunikation erfordert.
Die Herausforderung ist erheblich, da herkömmliche Straffungsmaßnahmen die wirtschaftliche Schwäche verstärken könnten.
Quelle: Monetary policy in a turbulent world
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