Finanzstabilität: Neue Akteure bergen alte Risiken
Der Gouverneur der Bank of Canada und Vorsitzende des FSB SCAV, Tiff Macklem, warnt vor systemischen Risiken durch neue Finanzakteure. Insbesondere der gehebelte Handel mit Staatsanleihen und Privatkredite erfordern erhöhte Wachsamkeit.
Risikoverlagerung zu Nichtbanken
Trotz globalen Wachstums bleiben geopolitische Spannungen und Unsicherheiten in der Handelspolitik hoch.
Risikoprämien sind komprimiert, Bewertungen gestreckt, was die Gefahr scharfer Korrekturen erhöht.
Nach der Finanzkrise 2008/09 wurden Banken strenger reguliert, wodurch risikoreichere Aktivitäten zu Nichtbanken wanderten.
Diese Entwicklung hat Vorteile wie diversifizierte Risiken und besseren Kreditzugang gebracht.
Doch die Aufsichtsrahmen hinken hinterher, da Nichtbanken oft weniger Berichtspflichten und Überwachung unterliegen.
Dies schafft Lücken für Regulierungsbehörden und Zentralbanken.
Ein Beispiel ist der gehebelte Handel von Hedgefonds mit Staatsanleihen, der in Kanada bis zu 50 Prozent der Auktionskäufe ausmacht.
Diese Fonds nutzen Repogeschäfte mit hoher Hebelwirkung und kurzen Laufzeiten, um von kleinen Preisunterschieden zu profitieren.
Bei Marktstress können steigende Finanzierungskosten oder reduzierte Liquidität zu schnellen Positionsauflösungen führen, was die Märkte destabilisiert.
Dies zeigte sich bereits beim 'Dash for Cash' 2020 und der britischen Gilt-Krise 2022.
Die systemische Gefahr liegt in der Geschwindigkeit, mit der sich solche Positionen auflösen können, was die Stabilität der Staatsanleihenmärkte – das Rückgrat des Finanzsystems – gefährdet.
Eine verbesserte Datenlage und internationale Koordination sind entscheidend, um diese Risiken zu verstehen und zu mindern.
Initiativen zur zentralen Abwicklung von Repogeschäften, wie in den USA und der EU, sollen die Marktstabilität erhöhen.
Auch die Bank of Canada plant, ihre Repogeschäfte über eine neue inländische Tri-Party-Repo-Lösung abzuwickeln, um die Infrastruktur zu stärken.
Opazität im Privatkreditmarkt
Ein weiterer Fokus liegt auf dem schnell wachsenden Privatkreditmarkt, der weltweit Billionen von Dollar umfasst.
Privatkredite füllen Lücken, indem sie Unternehmen Finanzierungen bieten, die von traditionellen Banken oder öffentlichen Märkten möglicherweise nicht ausreichend bedient werden.
Sie ermöglichen schnellere Abwicklungen, maßgeschneiderte Strukturen und langfristige Kapitalzusagen, was den Wettbewerb erhöht und den Zugang zu Finanzierungen erweitert.
Das Problem liegt jedoch nicht im Privatkredit selbst, sondern in seinem Verhalten unter Stress und den potenziellen Risiken für das breitere Finanzsystem.
Die Bewertung dieser Risiken ist schwierig, da der Markt noch keinen vollständigen Wirtschaftsabschwung durchlaufen hat.
Privatkredite sind zudem intransparenter als öffentliche Kreditmärkte; die Qualität der Kredite, Underwriting-Standards und der tatsächliche Verschuldungsgrad sind schwer zu beurteilen.
Die Liquidität ist begrenzt, und es können Ungleichgewichte zwischen dem Wunsch der Investoren nach Ausstieg und der Fähigkeit der Fonds, dies zu ermöglichen, entstehen.
Die Vernetzung innerhalb des Privatkreditsektors und mit dem restlichen Finanzsystem ist ebenfalls schwer zu überblicken.
Diese Opazität bedeutet, dass Investoren möglicherweise nicht ausreichend über die Qualität der in ihren Fonds gehaltenen Kredite informiert sind.
Ein Anstieg der Ausfälle könnte zu schnellen Positionsauflösungen führen, was erhebliche Belastungen und Spillover-Effekte auf öffentliche Kreditmärkte verursachen könnte.
Banken und Versicherer sind über verschiedene Kanäle mit Privatkrediten verbunden, sodass Schwächen im Privatkreditsektor auf den regulierten Sektor übergreifen könnten.
Die globale Natur des Privatkreditmarktes bedeutet, dass solche Spillover-Effekte schnell grenzüberschreitend wirken können.
Die FSB arbeitet daran, das Verständnis und die Überwachung von Privatkrediten zu verbessern, um Transparenz bei Hebelwirkung, Liquiditätstransformation und Underwriting-Praktiken zu gewährleisten.
Eine verstärkte Überwachung und globale Koordination sind unerlässlich, um die Entwicklung der Risiken in diesem Markt zu verfolgen und die Interkonnektivität zu verstehen.
Wachsamkeit ist entscheidend
Die Zunahme von Nichtbanken in den globalen Schuldenmärkten ist an sich kein Problem, sondern ein Zeichen eines gesunden Finanzsystems.
Doch die rasche Entwicklung dieser Akteure birgt neue Schwachstellen, die unsere Aufmerksamkeit erfordern.
Die Risiken wachsen möglicherweise schneller als unsere Fähigkeit, sie zu verstehen und zu mindern, was angesichts der hohen wirtschaftlichen Unsicherheit nicht ignoriert werden darf.