Globale Kryptoflüsse: Motive und Muster identifiziert
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Globale Kryptoflüsse: Motive und Muster identifiziert

Eine neue Studie der Bank of Canada (BoC) untersucht die Muster und Determinanten grenzüberschreitender Kryptowährungsflüsse. Die Analyse zeigt, dass diese Flüsse durch makroökonomische Entwicklungen, internationale Zahlungen und Überweisungen motiviert sind.

Mehrere Motive treiben Kryptoflüsse

Die Studie identifiziert sieben unterschiedliche Motive für grenzüberschreitende Kryptowährungstransaktionen, die sich auf bis zu 162 Länder erstrecken.

Die wichtigsten Triebfedern sind Strategien zur Anpassung an ungünstige makroökonomische und finanzielle Entwicklungen sowie der Bedarf an internationalen Zahlungs- und Überweisungstransfers.

Dies gilt sowohl für Bitcoin als auch für vier große Stablecoins (Tether, USD Coin, Binance USD, Dai).

Die Forscher stellen fest, dass diese Motive besonders relevant waren, als die wirtschaftlichen Bedingungen schwach waren und der Bedarf an Überweisungen hoch erschien, wie eine Fallstudie nach dem COVID-19-Schock zeigt.

Während Bitcoin-Flüsse für das durchschnittliche Land noch relativ gering sind (1,6 % des vierteljährlichen BIP), sind sie in einigen Ländern Osteuropas, Lateinamerikas und Asiens erheblich (bis zu 14 % des vierteljährlichen BIP).

Nettoabflüsse stammen überwiegend aus Schwellenländern, während Nettozuflüsse hauptsächlich in fortgeschrittenen Volkswirtschaften verzeichnet werden.

Die Bitcoin-Flüsse verhalten sich anders als traditionelle Kapitalflüsse, was auf unterschiedliche Treiber hindeutet.

Für einige Länder stellen Bitcoin-Flüsse jedoch eine bemerkenswerte Alternative zu traditionellen Kapitalflüssen dar und erreichen bis zu 61 % der Portfolioinvestitionsflüsse.

Einblicke durch neues Chainalysis-Dataset

Die Analyse basiert auf einem neuen und umfangreichen Datensatz von Chainalysis, der aus öffentlich zugänglichen Blockchain-Transaktionen abgeleitet wird.

Dieser Datensatz umfasst mehrere Kryptowährungen und eine breite Palette von Krypto-Börsen und Dienstleistern.

Durch die Zuordnung von Krypto-Adressen zu realen Entitäten und deren Verknüpfung mit spezifischen Ländern wandelt Chainalysis Blockchain-Informationen in analysierbare Daten um.

Die Untersuchung konzentriert sich hauptsächlich auf grenzüberschreitende Bitcoin-Flüsse, die größte Kryptowährung nach Marktkapitalisierung, und vier große Stablecoins.

Die Daten decken Krypto-Ein- und -Ausflüsse für bis zu 162 Länder im Zeitraum von Q3 2020 bis Q3 2023 ab.

Die Studie leistet vier Beiträge zur Literatur: Sie dokumentiert Muster globaler Bitcoin-Flüsse, bewertet systematisch deren Determinanten, führt eine Eventstudie zur COVID-19-Pandemie durch und wendet die Determinantenanalyse auf Stablecoin-Flüsse an.

Ein Puzzleteil für die Regulierung

Die Studie liefert wichtige empirische Belege für die komplexen Triebfedern von Kryptoflüssen.

Sie bestätigt, dass Kryptowährungen nicht nur Spekulationsobjekte sind, sondern auch praktische Funktionen erfüllen, insbesondere in Krisenzeiten.

Für Regulierungsbehörden bedeutet dies, dass eine differenzierte Betrachtung der Motive für eine effektive Regulierung unerlässlich ist.