Endogene Unsicherheit kann Angebotsschocks deflationär machen
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Endogene Unsicherheit kann Angebotsschocks deflationär machen

Eine neue Studie der Bank of Canada zeigt, dass endogene Unsicherheit negative Angebotsschocks deflationär wirken lassen kann. Dies geschieht, indem die Unsicherheit die aggregierte Nachfrage so stark dämpft, dass die inflationäre Kraft des Schocks übertroffen wird.

Unsicherheit als Nachfragebremse

Rezessionen gehen oft mit erhöhter Unsicherheit einher, die teilweise endogen auf Abschwünge reagiert.

Die Bank of Canada präsentiert ein erweitertes Neukeynesianisches Modell mit unvollständiger Information, in dem die Qualität der Informationen prozyklisch ist.

Dies führt zu einer endogenen, antizyklischen Unsicherheit.

Die nichtlineare Struktur des Modells berücksichtigt ein Vorsichtsmotiv bei der Ersparnisbildung, wodurch Konsum und Sparen auf Unsicherheitsänderungen reagieren.

Theoretisch wirkt dieser endogene Unsicherheitskanal vollständig über die aggregierte Nachfrage.

Bei negativen Angebotsschocks kann der daraus resultierende Anstieg der Unsicherheit die Nachfrage so stark dämpfen, dass die inflationäre Kraft des Schocks dominiert und dieser deflationär wird.

Die Geldpolitik kann die negativen Effekte der endogenen Unsicherheit vollständig eliminieren, indem sie die Produktionslücke stabilisiert.

US-Daten bestätigen deflationären Effekt

Die Bank of Canada quantifiziert den endogenen Unsicherheitskanal anhand von US-Daten, konkret den Prognosefehlern aus dem Michigan Survey of Consumers.

Die Analyse zeigt, dass dieser Kanal stark genug ist, um nach negativen Angebotsschocks Deflation zu erzeugen und den Produktionsrückgang erheblich zu verstärken.

Dies widerspricht der konventionellen Annahme inflationärer Angebotsschocks, wie sie etwa während der Covid-Krise oder bei Zollepisoden beobachtet wurden.

Die Autoren liefern eine theoretische Begründung für deflationäre Angebotsschocks bei endogen steigender Unsicherheit.

Dies impliziert eine akkommodierendere Geldpolitik in angebotsgetriebenen Rezessionen, um Informationsmängel auszugleichen.

Ein Paradigmenwechsel für die Geldpolitik

Diese Forschung stellt die etablierte Sichtweise, dass negative Angebotsschocks stets inflationär wirken, fundamental infrage.

Die empirische Bestätigung des deflationären Effekts durch endogene Unsicherheit erfordert eine Neubewertung der geldpolitischen Reaktionen, insbesondere in Krisenzeiten.

Zentralbanken müssen künftig eine akkommodierendere Haltung in Betracht ziehen, um die durch Informationsmängel verursachten Nachfrageverzerrungen zu korrigieren.