Britische Inflationserwartungen steigen deutlich
Die Inflationserwartungen der britischen Öffentlichkeit sind im Mai 2026 deutlich gestiegen. Eine vierteljährliche Umfrage der Bank of England zeigt höhere Prognosen für die aktuelle und zukünftige Teuerung.
Teuerungssorgen nehmen zu
Die jüngste Umfrage der Bank of England (BoE) zur Inflationswahrnehmung offenbart eine spürbare Zunahme der Teuerungssorgen in der britischen Bevölkerung.
Die mediane Einschätzung der aktuellen Inflationsrate stieg im Mai auf 5,0 Prozent, nach 4,6 Prozent im Februar 2026.
Auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate zogen kräftig an: Sie liegen nun bei 4,0 Prozent, verglichen mit 3,2 Prozent im Vormonat.
Für die zwölf Monate danach prognostizieren die Befragten eine Rate von 3,5 Prozent (Februar: 3,2 Prozent).
Selbst längerfristig, auf Sicht von fünf Jahren, erhöhten sich die Erwartungen auf 3,9 Prozent von zuvor 3,7 Prozent.
Diese durchgängig höheren Inflationsprognosen deuten auf eine wachsende Besorgnis über die Preisentwicklung hin, die sich über verschiedene Zeithorizonte erstreckt und die Herausforderungen für die Geldpolitik unterstreicht.
Die Mehrheit der Befragten, 78 Prozent, glaubt zudem, dass eine schnellere Preissteigerung die Wirtschaft schwächen würde.
Zinsausblick und BoE-Vertrauen
Die Umfrageergebnisse zeigen auch eine deutliche Verschiebung in den Zinserwartungen.
53 Prozent der Befragten rechnen in den nächsten zwölf Monaten mit steigenden Zinsen, ein signifikanter Anstieg gegenüber 30 Prozent im Februar 2026.
Gleichzeitig sank der Anteil derer, die gleichbleibende oder fallende Zinsen erwarten.
Die Wahrnehmung der BoE-Arbeit zur Inflationskontrolle hat sich ebenfalls verschlechtert: Der Netto-Zufriedenheitssaldo, also der Anteil der Zufriedenen abzüglich der Unzufriedenen, fiel von 2 Prozent im Februar auf -2 Prozent im Mai.
Dies deutet auf einen Rückgang des Vertrauens in die Fähigkeit der Zentralbank hin, die Preise effektiv zu steuern.
Methodisch ist zu beachten, dass die Umfrage seit Mai 2020 online durchgeführt wird, was Vergleiche mit früheren, persönlich durchgeführten Erhebungen erschwert und Vorsicht bei der Interpretation von Zeitreihen gebietet.
Ein Warnsignal für die Geldpolitik
Die Umfrageergebnisse sind ein klares Warnsignal für die Bank of England.
Die steigenden Inflationserwartungen könnten sich in Lohnforderungen manifestieren und eine hartnäckige Preis-Lohn-Spirale auslösen.
Der Rückgang der Zufriedenheit mit der BoE-Arbeit untergräbt zudem die Glaubwürdigkeit der Zentralbank.
Dies erhöht den Druck auf die Geldpolitik, entschlossen zu handeln, um die Inflationserwartungen wieder fest zu verankern.