BOE-Studie: Finanzsystem widerstandsfähiger, aber Repo-Markt bleibt kritisch
Die Bank of England (BOE) hat die Ergebnisse ihrer System-Wide Exploratory Scenario (SWES) Übung veröffentlicht. Das britische Finanzsystem zeigt sich widerstandsfähiger gegenüber Marktschocks, doch der Gilt-Repo-Markt birgt weiterhin Risiken.
Einzigartiger Systemtest offenbart Schwächen
Die Bank of England (BOE) hat die Ergebnisse ihrer weltweit ersten System-Wide Exploratory Scenario (SWES) Übung vorgestellt.
Ziel war es, die Reaktion des britischen Finanzsystems auf einen schweren Marktschock zu untersuchen und die Dynamik zwischen Banken und Nichtbanken-Finanzinstituten (NBFIs) zu verstehen.
Die SWES unterscheidet sich von traditionellen Stresstests durch ihre systemweite Perspektive und die aktive Einbindung von rund 50 Finanzfirmen.
Die Übung zeigte, dass kollektive Aktionen von Firmen den anfänglichen Schock verstärken können, obwohl die Widerstandsfähigkeit einiger Nichtbanken-Sektoren zugenommen hat.
Insbesondere der Gilt-Repo-Markt ist entscheidend für die Stabilität und könnte in einem Stressfall unter Druck geraten, da Banken nicht alle zusätzlichen Repo-Finanzierungen bereitstellen würden, die NBFIs erwarten.
Dies unterstreicht die Notwendigkeit weiterer politischer Maßnahmen zur Stärkung der Repo-Markt-Resilienz.
Liquiditätsengpässe und Marktverhalten
Das SWES-Szenario umfasste einen plötzlichen, schweren globalen Marktschock durch geopolitische Spannungen, der zu erheblichen Verlusten und einem Anstieg der Margin Calls führte.
NBFIs reduzierten ihre Liquiditätspuffer und leiteten schnell Maßnahmen zum Wiederaufbau ein, oft durch Deleveraging oder Derisking.
Diese Aktionen hatten weitreichende Auswirkungen auf andere Firmen und Märkte.
Während der Gilt-Markt Verkaufsdruck weitgehend absorbieren konnte, erlebte der Sterling-Unternehmensanleihenmarkt einen "Sprung in die Illiquidität" aufgrund schneller Verkäufe und begrenzter Market-Making-Kapazitäten der Banken.
Firmen konnten die Reaktionen ihrer Gegenparteien oft nicht antizipieren.
Lektionen gelernt, Hausaufgaben gemacht?
Die SWES-Übung ist ein wichtiger Schritt, um die komplexen Interdependenzen im Finanzsystem zu verstehen.
Sie bestätigt, dass die Widerstandsfähigkeit gestiegen ist, zeigt aber auch kritische Lücken auf, insbesondere im Gilt-Repo-Markt und bei der Antizipation von Gegenparteiverhalten.
Die Erkenntnisse sind eine klare Handlungsaufforderung für Regulierer, die identifizierten Schwachstellen gezielt anzugehen, um die Stabilität langfristig zu sichern.