BOE evaluiert Prognosen: Genau, aber Inflation bleibt hartnäckig
Die Bank of England (BOE) hat ihre makroökonomischen Prognosen evaluiert. Der Bericht zeigt, dass sie im Schnitt so genau sind wie externe Vorhersagen, identifiziert aber Schwächen bei der Vorhersage von Arbeitsmarktvariablen und der Inflationspersistenz.
Lernkultur nach Bernanke-Review
Die Bank of England (BOE) hat ihre makroökonomischen Prognosen umfassend evaluiert.
Dies ist eine direkte Antwort auf Empfehlungen des ehemaligen Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke, der eine regelmäßige Bewertung von Prognosefehlern und deren Ursachen forderte.
Der nun veröffentlichte "Forecast Evaluation Report" untersucht die Genauigkeit, Unvoreingenommenheit und Effizienz der im "Monetary Policy Report" publizierten Vorhersagen.
Die BOE-Mitarbeiter haben dabei drei Schlüsselelemente berücksichtigt: einen "Echtzeit"-Ansatz, die Rolle der Konditionierungsannahmen (wie den Markterwartungen für den Leitzins) und die unvermeidlichen neuen Schocks.
Huw Pill, Chefökonom der BOE, betonte: "Aus Prognosefehlern zu lernen, hilft uns nicht nur, bessere Prognosen zu erstellen, sondern auch ein besseres Verständnis der Wirtschaft zu entwickeln.
" Die Analyse zeigt, dass die BOE-Prognosen über das letzte Jahrzehnt hinweg mindestens so genau waren wie die externer Prognostiker oder alternativer Modellansätze.
Auch wenn die Genauigkeit seit 2020 abgenommen hat, ist dies auf erhöhte wirtschaftliche Volatilität zurückzuführen, nicht auf spezifische Mängel im BOE-Ansatz.
Arbeitsmarkt und Inflationspersistenz als Schwachstellen
Trotz der insgesamt guten Performance identifiziert der Bericht spezifische Bereiche mit Verbesserungspotenzial.
Insbesondere die Prognosen für Arbeitsmarktvariablen wie Lohnwachstum und Arbeitslosenquote zeigen Schwächen.
Das Lohnwachstum wies beidseitig der Covid-Pandemie Verzerrungen auf, während die Arbeitslosenquote seit 2015 systematisch zu hoch vorhergesagt wurde.
Statistische Tests deuten zudem auf Ineffizienzen bei den BIP-, Lohn- und Arbeitslosenprognosen hin.
Große Prognosefehler seit der Pandemie sind auf unvorhersehbare Schocks wie die Folgen von Covid und Russlands Invasion in der Ukraine zurückzuführen.
Diese externen Schocks erklären jedoch nicht vollständig die anhaltende Inflationspersistenz nach 2022, wo die mittelfristigen Inflations- und Lohnwachstumsprognosen der BOE wiederholt zu niedrig waren.
Lernprozess mit blinden Flecken
Dieser Bericht ist ein wichtiges Zeichen für die Transparenz und Lernbereitschaft der BOE.
Er zeigt, dass selbst hochentwickelte Zentralbankmodelle an ihre Grenzen stoßen, wenn sich die Wirtschaftsstruktur dynamisch verändert.
Die hartnäckige Inflationspersistenz und die Schwierigkeiten bei Arbeitsmarktprognosen sind keine Randnotizen, sondern zentrale Herausforderungen für die Geldpolitik.
Quelle: Forecast Evaluation Report – January 2026
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