Frenemies an den Toren: Bankenrisiken durch Principal Trading Firms
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Frenemies an den Toren: Bankenrisiken durch Principal Trading Firms

Rebecca Jackson von der Bank of England warnt vor den indirekten Risiken, die Principal Trading Firms für Banken darstellen, insbesondere bei Intraday-Geschäften. Trotz ihrer Rolle als „Frenemies“ können diese Firmen bei Fehlfunktionen erhebliche Verluste für Banken verursachen.

Das Paradox der 'Frenemies'

Nach der globalen Finanzkrise zogen sich Banken aus dem Eigenhandel zurück, wodurch Principal Trading Firms (PTFs) zu wichtigen Liquiditätsanbietern aufstiegen.

Diese PTFs konkurrieren heute direkt mit Banken in Märkten wie FX und Kredit.

Gleichzeitig sind sie jedoch auf Banken für Leverage, Clearing, Treasury und Marktzugang angewiesen – eine symbiotische, aber auch kompetitive Beziehung, die sie zu „Frenemies“ macht.

Die ursprünglichen Eigenhandelsrisiken der Banken haben sich so in indirekte Kontrahentenrisiken verwandelt.

Banken stellen PTFs die Infrastruktur für Derivate- und Kassamarktgeschäfte bereit und intermediieren als General Clearing Members die Kreditrisiken der PTFs gegenüber Central Counterparties (CCPs).

Einige PTFs erweitern zudem ihr Geschäftsfeld um quant-basierte Hedgefonds-Strategien, deren Overnight-Portfolios ähnliche Risikomerkmale wie die von Hedgefonds aufweisen.

Die neue Geschwindigkeit der Märkte

Rasante technologische Fortschritte, wie Quantencomputing und generative KI, haben die Märkte grundlegend verändert.

Transaktionsausführungszeiten sind dramatisch gesunken und werden nun in Mikro- oder sogar Nanosekunden gemessen, dank Innovationen wie Mikrowellentechnologie.

Diese Entwicklung hat Principal Trading Firms (PTFs) ermöglicht, nach der globalen Finanzkrise die Rolle der Liquiditätsanbieter zu übernehmen, die Banken aufgrund regulatorischer Änderungen verlassen hatten.

Die größten PTFs erzielen heute ähnliche Handelsumsätze wie führende globale Investmentbanken und prägen das neue Marktbild.

Wenn der Kill Switch zu spät kommt

Die Abhängigkeit von Post-Trade-Kontrollen in einem Nanosekunden-Markt ist eine Illusion der Sicherheit.

Die „Response Gap“ zwischen Handelsausführung und menschlichem Eingreifen kann Minuten betragen, was bei Fehlfunktionen katastrophale Folgen haben kann.

Der Fall Knight Capital 2012, mit fast 500 Millionen Dollar Verlust durch einen Softwarefehler, zeigt, dass dieses seltene, aber hochwirksame Risiko real ist.

Quelle: Frenemies at the gates − speech by Rebecca Jackson

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