Globale Ungleichgewichte erreichen historisches Ausmaß
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Globale Ungleichgewichte erreichen historisches Ausmaß

Globale Leistungsbilanzungleichgewichte erreichen ein historisches Ausmaß, das zuletzt vor 150 Jahren beobachtet wurde. Die Bank of England warnt, dass frühere Perioden solcher Ungleichgewichte oft von wirtschaftlichen Turbulenzen gefolgt wurden.

Historische Dimensionen und hartnäckige Muster

Globale Leistungsbilanzungleichgewichte haben ein Ausmaß erreicht, das zuletzt vor 150 Jahren beobachtet wurde.

Die Bank of England hebt hervor, dass frühere Perioden solcher Ungleichgewichte oft von wirtschaftlichen Turbulenzen oder Krisen gefolgt wurden.

Drei Merkmale prägen die aktuelle Situation: Sie sind historisch groß, hartnäckiger geworden – insbesondere bei Überschüssen – und treten inmitten steigender Handelsspannungen und zunehmender Industriepolitik auf.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) stellt fest, dass etwa die Hälfte dieser Ungleichgewichte „exzessiv“ ist, also über strukturelle Faktoren hinausgeht.

Der Anstieg der exzessiven Ungleichgewichte im Jahr 2024 war der größte seit einem Jahrzehnt, wobei die USA, China und der Euroraum die Hauptverursacher sind.

Besonders auffällig ist die Persistenz von Überschüssen: In den 1990er Jahren hielten 16 Prozent der Länder ihre Überschüsse über fünf Jahre, in den 2020er Jahren waren es 76 Prozent.

Industriepolitik und der Dollar-Effekt

Die Analyse der Treiber zeigt, dass Industriepolitik eine zentrale Rolle spielt, insbesondere wenn sie mit konsumunterdrückenden Maßnahmen wie Kapitalverkehrskontrollen oder Devisenreserven einhergeht.

In solchen Fällen sind größere Leistungsbilanzüberschüsse zu beobachten.

Tarife hingegen beeinflussen die Ungleichgewichte laut Datenlage weniger stark.

Finanzielle Faktoren verstärken die makroökonomische Dynamik: Der Status des US-Dollars als globale Reservewährung fördert persistente Defizite in den USA.

Zudem erzeugen die Akkumulation großer Nettoauslandspositionen Rückkopplungseffekte, die die zugrunde liegenden Ungleichgewichte eher vertiefen als auflösen.

Ein Weckruf für die Politik

Die Risiken der Ungleichgewichte sind vielfältig: Sie reichen von politischem Protektionismus über asymmetrische Anpassungslasten für Defizitländer bis hin zu finanziellen Instabilitäten.

Eine koordinierte Lösung, bei der Überschussländer den Binnenkonsum ankurbeln und Defizitländer fiskalisch konsolidieren, wäre im globalen Interesse.

Die Bank of England betont, dass ein besseres Verständnis der Rolle von Industriepolitik und Finanzstabilitätsrisiken für multilaterale Institutionen unerlässlich ist, um eine Krise abzuwenden.

Quelle: Global imbalances are back

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