Greene: Energieschock birgt anhaltende Inflationsrisiken
Megan Greene von der Bank of England warnt in ihrer Rede vor anhaltenden Inflationsrisiken durch den jüngsten Energieschock im Nahen Osten. Sie betont die Notwendigkeit eines proaktiven geldpolitischen Ansatzes, um Zweitrundeneffekte zu verhindern.
Negative Angebotsschocks als neue Norm
Die Weltwirtschaft sieht sich einer neuen Normalität von Angebotsschocks gegenüber, so Megan Greene.
Nach den Störungen durch Covid-19 und dem Energiepreisanstieg infolge des Ukraine-Krieges führt der Konflikt im Nahen Osten, einschließlich Angriffen auf Energieinfrastruktur und der Schließung der Straße von Hormus, zu einem weiteren Energieschock.
Diese Situation bringt Zentralbanken in eine schwierige Lage: Sie müssen zwischen Preisstabilität und der Unterstützung der Wirtschaftsleistung abwägen.
Greene argumentiert, dass ein proaktiver Ansatz erforderlich sein könnte, um der Inflation entgegenzuwirken, insbesondere wenn eine Wirtschaft wiederholt von Angebotsschocks getroffen wird.
Die Dauer des aktuellen Schocks bleibt ungewiss, doch die makroökonomischen Auswirkungen werden über das kommende Jahr spürbar sein.
Zweitrundeneffekte im Fokus der Geldpolitik
Für die Geldpolitik sind vor allem die Zweitrundeneffekte von Energieschocks entscheidend, da sie die Inflation am hartnäckigsten beeinflussen.
Diese Effekte verbreiten sich hauptsächlich über zwei Kanäle: Änderungen in der Lohn- und Preisgestaltung.
Steigende Inflationserwartungen der Haushalte führen zu höheren Lohnforderungen, um die Kaufkraft zu schützen.
Gleichzeitig erhöhen Unternehmen ihre Preise stärker als durch direkte oder indirekte Kosten gerechtfertigt, um ihre Margen zu erhalten.
Die Inflationserwartungen spielen dabei eine 'schrecklich wichtige' Rolle, wie Fed-Vorsitzender Powell betonte.
Auch die Größe und Art des Schocks sind relevant: Große Angebotsschocks können Preiskaskaden in der Lieferkette auslösen, und Gasversorgungsschocks haben tendenziell breitere und hartnäckigere Auswirkungen auf die britische Inflation als Ölversorgungsschocks.
Proaktiver Kurs mit hohem Risiko
Greenes Plädoyer für einen proaktiven geldpolitischen Kurs, der über das traditionelle 'Durchschauen' von Angebotsschocks hinausgeht, signalisiert eine tiefgreifende Sorge um die Verankerung der Inflationserwartungen.
Allerdings birgt das Vorziehen von geldpolitischen Maßnahmen, bevor sich Zweitrundeneffekte eindeutig manifestiert haben, das Risiko einer Überreaktion und einer unnötigen Abkühlung der Wirtschaft.
Die Herausforderung für die Bank of England liegt darin, die richtige Balance zwischen Voraussicht und Datengestütztheit zu finden, ohne die Glaubwürdigkeit ihrer Politik zu gefährden.