BOE-Studie: Zinssenkungen steigern Konsum durch höhere Immobilienpreise und Kreditaufnahme
Eine neue Studie der Bank of England (BOE) zeigt, dass Zinssenkungen den Konsum von Haushalten im Vereinigten Königreich signifikant steigern. Dies geschieht vor allem durch höhere Immobilienpreise, die zu mehr Kreditaufnahme führen, und weniger durch geringere Schuldendienste.
Immobilienpreise als Konsumtreiber
Die Studie der Bank of England (BOE) analysiert, wie Zinssenkungen den Konsum von Haushalten im Vereinigten Königreich beeinflussen.
Mithilfe von sechs Millionen haushaltsbezogenen „natürlichen Experimenten“, die aus dem Auslaufen von Festzins-Hypothekenverträgen in Großbritannien resultieren, konnten die Ökonomen den Effekt isolieren.
Ein Rückgang der Hypothekenzinsen um einen Prozentpunkt führt demnach innerhalb von sechs Monaten zu einem Anstieg des Konsums um drei Prozent.
Die zentrale Erkenntnis: Dieser Konsumanstieg ist primär darauf zurückzuführen, dass Haushalte gegen gestiegene Immobilienpreise neue Kredite aufnehmen.
Die Reduzierung der Schuldendienstkosten nach Zinssenkungen spielt eine geringere Rolle.
Dies deutet darauf hin, dass die Geldpolitik den Konsum maßgeblich über Vermögenspreise und die damit verbundene Kreditaufnahme beeinflusst.
Die Forscher nutzten administrative Daten zu Hypotheken und Konsumausgaben von britischen Haushalten im Zeitraum 2015-2024.
Lange und variable Verzögerungen
Die Ergebnisse haben erhebliche gesamtwirtschaftliche Implikationen.
Die Studie zeigt, dass Zinssenkungen den Konsum mit „langen und variablen Verzögerungen“ beeinflussen.
Es dauert rund 50 Monate, bis sich die kumulativen Auswirkungen einer Zinssenkung vollständig entfalten.
Zudem variiert die Länge dieser Verzögerungen: Da die typische Laufzeit von Hypothekenverträgen im Untersuchungszeitraum anstieg, verlagerte sich die Konsumreaktion stärker in die Zukunft.
Die Studie wurde im Rahmen des ChaMP-Netzwerks durchgeführt, einer Initiative der EZB und nationaler Zentralbanken, die die geldpolitischen Transmissionskanäle im Euroraum neu bewertet.
Vermögenspreise im Fokus
Diese Studie liefert eine wichtige empirische Bestätigung für die Rolle von Vermögenspreisen in der geldpolitischen Transmission.
Sie unterstreicht, dass Zentralbanken bei Zinsentscheidungen nicht nur auf Schuldendienste, sondern verstärkt auf die Auswirkungen auf Immobilienmärkte achten müssen.
Für die Praxis bedeutet dies eine komplexere Steuerung, da die Effekte verzögert und über den Kreditkanal wirken.