Rohstoffschocks: Optimale Zentralbank-Reaktion variiert
Die optimale Geldpolitik bei Rohstoffpreisschocks hängt entscheidend von der Rohstoffexposition einer Volkswirtschaft ab. Eine neue BOE-Studie zeigt, dass für Exporteure Preisstabilität optimal ist, während Importeure Schocks ignorieren sollten.
Exporter vs. Importer: Zwei Wege zur Stabilität
Eine neue Studie der Bank of England (BOE) zeigt, dass die optimale Geldpolitik bei Rohstoffpreisschocks entscheidend von der Rohstoffexposition einer Volkswirtschaft abhängt.
Für Rohstoffexporteure ist die Stabilisierung der Inlandspreise wohlfahrtsoptimal, was den gängigen Empfehlungen für offene Volkswirtschaften entspricht.
Volkswirtschaften, die Rohstoffe als Produktionsmittel nutzen, sollten die direkten und indirekten Effekte von Rohstoffschocks auf die Inlandspreise jedoch weitgehend 'durchschauen'.
Dies steht im Gegensatz zu früheren Erkenntnissen und der bisherigen Politikpraxis, die nur die direkten Effekte ignorierte.
Die Autoren entwickeln ein flexibles, aber handhabbares Modell, das sowohl Rohstoffexporte als auch -importe berücksichtigt und internationale Finanzbedingungen in den Rohstoffzyklus einbezieht.
Das Ende eines Konsenses
Der bisherige Konsens in Literatur und Politik sah vor, bei Rohstoffpreisschocks die direkten Effekte zu 'durchschauen' und Kerninflation zu stabilisieren.
Jüngste Episoden extremer Volatilität, etwa bei Gas- und Ölpreisen ab 2022, führten jedoch zu anhaltenden Anstiegen der Kern- und Inlandsinflation, nicht nur der Headline-Inflation.
Ein Großteil dieser Anstiege ist auf indirekte Effekte über die Inputkosten der Unternehmen zurückzuführen.
Dies stellt die typische Strategie infrage.
Zudem weichen viele Schwellen- und Entwicklungsländer von diesem Ansatz ab, indem sie implizit oder explizit den Wechselkurs ansteuern – ein Phänomen, das als 'Fear of Floating' bekannt ist.
Die Studie beleuchtet die Rolle endogener Finanzbedingungen, die in diesen Ökonomien oft an den Rohstoffzyklus gekoppelt sind.
Eine unbequeme Wahrheit
Diese Studie liefert eine wichtige Korrektur der gängigen Zentralbank-Praxis, insbesondere für rohstoffimportierende Volkswirtschaften, die indirekte Effekte bisher unterschätzt haben.
Die Erkenntnisse sind besonders relevant für Schwellen- und Entwicklungsländer, wo die Verankerung von Inflationserwartungen bei hoher Volatilität eine enorme Herausforderung darstellt.
Die Implementierung der optimalen Politik erfordert dort eine hohe Glaubwürdigkeit der Zentralbank.