BoE: Schutzlücken in Sachversicherung bergen Risiken
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BoE: Schutzlücken in Sachversicherung bergen Risiken

Schutzlücken in der Sachversicherung, etwa bei Cyber- oder Flutrisiken, rücken zunehmend in den Fokus von Regulierern und Zentralbanken. Die Bank of England (BoE) hat eine mikroprudenzielle Überprüfung der Lücken durchgeführt, um deren Auswirkungen auf ihre Ziele zu bewerten.

Wenn die Versicherungslücke zur Gefahr wird

Schutzlücken in der Sachversicherung – definiert als die Differenz zwischen wirtschaftlich sinnvoller und tatsächlich gekaufter Deckung – sind ein wachsendes Anliegen für Regulierer.

Jüngste Ereignisse wie der Ransomware-Angriff auf Jaguar Land Rover oder Waldbrände in Kalifornien unterstreichen die Relevanz dieser Risiken und die Rolle der Versicherung für die Realwirtschaft.

Die Prudential Regulation Authority (PRA) der Bank of England (BoE) hat diese Lücken aus mikroprudenzieller Sicht überprüft.

Obwohl Schutzlücken nicht direkt die Sicherheit und Solidität von Versicherern gefährden, können sie indirekte Risiken schaffen.

Dazu zählen erhöhte Konzentrationsrisiken, wenn wenige große Versicherer bestimmte Risiken wie Flut oder Cyber abdecken.

Ein erhöhtes Nettoengagement, falls Rückversicherungslücken direkte Versicherer zwingen, mehr Risiken selbst zu tragen, ist ebenfalls eine Gefahr.

Finanzinstitute könnten zudem Schwierigkeiten haben, sich selbst gegen eigene Risiken abzusichern, was zu erheblichen Verlusten führen kann.

Finanzstabilität im Spannungsfeld der Risiken

Schutzlücken können die Finanzstabilität des Vereinigten Königreichs gefährden und die Bereitstellung wichtiger Dienstleistungen stören.

Dies schafft eine Spannung für Regulierer: Einerseits sollen Versicherer Risiken umsichtig managen, andererseits können Rückzüge aus bestimmten Sparten die Lücken vergrößern und zu unversicherten Verlusten führen, die auf das System übergreifen.

Die Bank of England (BoE) berücksichtigt diese Risiken bereits, etwa im Bereich Klima und Cyber.

Ein Beispiel ist die Flutschutzlücke in Großbritannien: Trotz Initiativen wie FloodRe, das die Bezahlbarkeit verbesserte, bleiben bestimmte Immobilien ausgeschlossen.

Das Programm endet 2039, was Bedenken hinsichtlich zukünftiger Deckung aufwirft.

Unzureichende Absicherung kann Investitionen abschrecken und die Erholung nach Katastrophen verlangsamen.

Balanceakt für die Aufsicht

Als mikroprudenzieller Regulator muss die PRA einen Balanceakt vollziehen.

Sie fördert die Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit von Versicherungen durch einen sicheren und wettbewerbsfähigen Markt, ohne unnötige Beschränkungen zu schaffen.

Letztlich liegt die Herausforderung darin, Anreize für Risikoprävention zu schaffen und die Versicherbarkeit zu erweitern, um die Finanzstabilität langfristig zu sichern.