Geldpolitik bremst Innovation bei Wachstumsfirmen
Geldpolitik reduziert Forschung und Entwicklung (F&E) in wachstumsstarken Unternehmen mit jüngster Kapitalaufnahme am stärksten. Eine neue BOE-Studie zeigt, dass dies über den Asset-Preis-Kanal der monetären Transmission geschieht.
Zinsanstieg bremst F&E-Investitionen
Eine neue Studie der Bank of England zeigt, dass restriktive Geldpolitik die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) in Unternehmen reduziert.
Dieser Effekt ist jedoch nicht gleichmäßig verteilt: Am stärksten betroffen sind wachstumsstarke Firmen, die kürzlich auf externe Eigenkapitalfinanzierung angewiesen waren.
Im Gegensatz dazu erklären traditionelle schuldenbasierte Messgrößen wie Verschuldungsgrad oder Liquidität kaum die Unterschiede in den Reaktionen.
Konkret führt ein Zinsanstieg von 100 Basispunkten zu einem Rückgang der internen F&E-Ausgaben um etwa 0,5 Prozent des Mehrwerts.
Dieser Rückgang, der sich schnell einstellt und hauptsächlich Lohnkosten betrifft, kann auch dazu führen, dass einige Firmen vorübergehend ganz aus der F&E aussteigen.
Produktivitätsrückgänge folgen zeitverzögert.
Der Asset-Preis-Kanal im Fokus
Die Autoren Ruslana Datsenko und Martin B. Holm argumentieren, dass der Übertragungsmechanismus über den Asset-Preis-Kanal wirkt.
Höhere Diskontsätze senken die Unternehmensbewertungen und erhöhen somit die effektiven Kosten für eigenkapitalfinanzierte Investitionen.
Dies betrifft besonders Firmen mit hohen Wachstumsaussichten und später anfallenden Cashflows, da deren Bewertungen besonders empfindlich auf Diskontsatzänderungen reagieren.
Das Modell der Studie prognostiziert zwei Effekte: Erstens einen Finanzierungskanal, bei dem höhere Marktdiskontsätze Eigenkapitalfinanzierung teurer machen.
Zweitens einen Wachstumssensitivitätskanal, bei dem wachstumsstarke, extern finanzierte Firmen stärker reagieren.
Langfristige Effekte unterschätzt
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die langfristigen realen Effekte der Geldpolitik auf die Wirtschaft möglicherweise unterschätzt werden.
Indem restriktive Maßnahmen gezielt innovative Wachstumsunternehmen treffen, wird die zukünftige Produktivitätsentwicklung beeinträchtigt.
Dies verschiebt die Anpassungslast auf genau jene Firmen, deren Innovationsaktivität für das aggregierte Wachstum am wichtigsten ist.