BOE-Studie: Heimische Schocks treiben Euro-Trendinflation auf 3 Prozent
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BOE-Studie: Heimische Schocks treiben Euro-Trendinflation auf 3 Prozent

Eine neue BOE-Studie zeigt, dass heimische Angebotsschocks die Trendinflation im Euroraum bis 2022 auf 3 Prozent ansteigen ließen. Nachfragegetriebene Schocks erklären 85 Prozent des post-pandemischen Inflationsanstiegs als transitorische Komponente.

Das Inflations-Paradox des Euroraums

Die post-pandemische Inflationswelle im Euroraum ist komplexer als bisher angenommen.

Eine aktuelle Studie der Bank of England (BOE) von Clemente Pinilla-Torremocha enthüllt, dass heimische Angebotsschocks maßgeblich zur persistenten Komponente der Inflation beigetragen haben.

Diese Schocks ließen die Trendinflation im Euroraum bis zum zweiten Quartal 2022 auf rund 3 Prozent ansteigen – ein Niveau, das seit Jahrzehnten nicht mehr erreicht wurde.

Im Gegensatz dazu manifestierten sich Nachfrageschocks, sowohl globaler als auch heimischer Natur, hauptsächlich in der transitorischen Inflationskomponente, dem sogenannten Inflations-Gap.

Diese Nachfrageschocks sind für beeindruckende 85 Prozent des gesamten Inflationsanstiegs nach der COVID-19-Pandemie verantwortlich.

Die Arbeit hebt hervor, dass die Unterscheidung zwischen persistenten und transitorischen Inflationsursachen entscheidend für die Gestaltung der Geldpolitik ist, da sie Aufschluss darüber gibt, ob Preisdruck dauerhafte Veränderungen der Wirtschaftsbedingungen widerspiegelt oder eher temporäre Störungen.

Methodik für Inflations-Detektive

Die Studie untersucht die Inflationsdynamik im Euroraum mittels einer neuartigen Methodik.

Diese zerlegt makroökonomische Variablen in langfristige Trends und Geschäftszykluskomponenten, wie Trendinflation und potenzielles BIP.

Sie berücksichtigt zudem zeitlich variierende Volatilität und identifiziert strukturelle Schocks nach Persistenz (permanent versus transitorisch) und Ursprung (global versus heimisch, Nachfrage versus Angebot).

Dieser Ansatz ermöglicht es, die strukturellen Kanäle der Inflation zu entschlüsseln und zu beurteilen, ob diese primär die transitorische oder die persistente Inflationskomponente beeinflussen.

Damit schließt die Arbeit eine Lücke in der bestehenden Literatur, die diese Unterscheidung oft vernachlässigt.

Neue Erkenntnisse für die EZB-Politik

Die Studie liefert eine differenzierte Analyse der Inflationsdynamik, die über bisherige Modelle hinausgeht.

Insbesondere die Unterscheidung zwischen persistenten und transitorischen Schocks ist für die Geldpolitik von hoher Relevanz.

Die Ergebnisse könnten die Debatte über die Reaktion auf zukünftige Inflationsschübe maßgeblich beeinflussen.