Bailey: BoE muss Inflation in unberechenbarer Welt verankern
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Bailey: BoE muss Inflation in unberechenbarer Welt verankern

Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England, betont die Notwendigkeit, die Inflation in einem unberechenbaren Umfeld zu verankern. Der Konflikt im Nahen Osten hat die Inflationsaussichten Großbritanniens erheblich verschlechtert und erfordert eine flexible, aber entschlossene Geldpolitik.

Nahost-Konflikt verschärft Inflationsdruck

Der Konflikt im Nahen Osten hat zu einem erheblichen negativen Angebotsschock für die Weltwirtschaft geführt, der sich in stark gestiegenen Öl- und Gaspreisen manifestiert.

Für Großbritannien, einen Nettoimporteur von Energie, verschlechterten sich die Terms of Trade, was zu einem Rückgang der Realeinkommen führt.

Die britische Inflation, die vor dem Konflikt auf dem Weg zum 2%-Ziel war, erreichte im April 2,8 Prozent, angetrieben durch höhere Kraftstoffpreise.

Die Bank of England (BoE) erwartet, dass die Inflation im Laufe des Jahres weiter steigen wird, da Versorgungsrechnungen zunehmen und Unternehmen höhere Kosten über die Lieferketten weitergeben.

Die Geldpolitik kann die direkten Auswirkungen höherer Energiepreise auf Unternehmen und Haushalte nicht verhindern.

Ihre Aufgabe ist es jedoch, sicherzustellen, dass die Inflation nicht dauerhaft verankert wird und mittelfristig zum 2%-Ziel zurückkehrt.

Flexibles Mandat in unsicheren Zeiten

Seit 1998 operiert die Bank of England (BoE) unabhängig mit dem klaren Ziel der Preisstabilität.

Das 2%-Inflationsziel gilt jederzeit, doch das Mandat erlaubt eine 'flexible' Auslegung, um unerwünschte Output-Volatilität zu vermeiden.

Die genaue Gewichtung von Output gegenüber Inflation – der 'Lambda'-Parameter – ist dabei nicht explizit festgelegt, was das Mandat zu einem 'unvollständigen Vertrag' macht.

Diese 'constrained discretion' erlaubt dem Monetary Policy Committee (MPC), den Trade-off situationsabhängig zu managen.

Bei Abweichungen von mehr als einem Prozentpunkt muss der Gouverneur einen offenen Brief an den Schatzkanzler senden, der die Maßnahmen des MPC erläutert und die Rechenschaftspflicht sicherstellt.

Der schwierige Spagat der Geldpolitik

Baileys Rede unterstreicht die Komplexität der Geldpolitik in einer von externen Schocks geprägten Welt.

Die 'flexible' Auslegung des Mandats erlaubt zwar eine situationsabhängige Reaktion, birgt aber das Risiko, die Inflationserwartungen zu entankern, wenn die Toleranz zu groß wird.

Die Bank of England steht vor der Herausforderung, die Balance zwischen kurzfristiger Output-Volatilität und langfristiger Preisstabilität zu finden, ohne dabei die Glaubwürdigkeit zu verlieren.