Globale Ungleichgewichte: Industriepolitik verstärkt Risiken
Eine neue Studie der Bank of England analysiert die Treiber und Risiken globaler Ungleichgewichte. Sie zeigt, dass diese historisch groß und persistent sind und durch makroökonomische Faktoren sowie Industriepolitik beeinflusst werden.
Historisch groß und hartnäckig
Globale Ungleichgewichte sind erneut historisch groß und hartnäckig geworden, was zu erhöhten Handelsspannungen in einer Zeit strukturellen Wandels und globaler Schocks führt.
Die Bank of England (BOE) untersucht in einem neuen Diskussionspapier, wie sich diese Ungleichgewichte entwickelt haben, warum sie fortbestehen und welche Rolle die zunehmende Industriepolitik dabei spielt.
Die Studie hebt hervor, dass die Ungleichgewichte nahe ihrem höchsten Stand seit 150 Jahren liegen.
In der Vergangenheit folgten auf solche Spitzen wirtschaftliche Turbulenzen oder Krisen, wie zuletzt vor der globalen Finanzkrise 2008-09. Im Gegensatz zur Bretton-Woods-Ära, in der Kapitalverkehrskontrollen und koordinierte Wechselkursanpassungen für ein symmetrisches Rebalancing sorgten, fehlen heute formale internationale Anpassungsmechanismen.
Dies führt zu einer langsamen Anpassung und einer erhöhten Persistenz, insbesondere bei Leistungsbilanzüberschüssen.
Makroökonomie trifft Industriepolitik
Die BOE-Analyse bestätigt, dass globale Leistungsbilanzungleichgewichte primär durch makroökonomische Faktoren getrieben werden.
Dazu zählen Demografie, Entwicklungsstand, Ressourcenreichtum sowie zyklische Bedingungen und politische Einstellungen wie Fiskalpolitik.
Der IWF führte die Ausweitung der Ungleichgewichte 2024 ebenfalls auf Veränderungen dieser heimischen makroökonomischen Faktoren zurück.
Das Papier betont jedoch, dass die weltweit wieder auflebende Industriepolitik unter bestimmten Bedingungen kurz- bis mittelfristig zweitrangige Auswirkungen auf die Leistungsbilanz haben kann.
Die längerfristigen Effekte und grenzüberschreitenden Spillover-Effekte der Industriepolitik sind noch unzureichend verstanden.
Diese Ungleichgewichte bergen erhebliche Risiken für die globale Finanzstabilität und können protektionistische Tendenzen verstärken.
Ein Weckruf für die Kooperation
Die Studie ist ein wichtiger Weckruf, der die Dringlichkeit der globalen Ungleichgewichtsproblematik unterstreicht.
Sie zeigt auf, dass ohne eine verstärkte multilaterale Überwachung und engere Zusammenarbeit bei der Handelspolitik die Risiken für Wachstum und Finanzstabilität weiter zunehmen.
Insbesondere die größten Beitragszahler zu diesen Ungleichgewichten müssen in die Pflicht genommen werden, um eine geordnete Neuausrichtung zu gewährleisten.